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Spekulum aus Holz

Ein Geschenk gibt uns Rätsel auf

Man könnte sie für Meisterstücke der Suche nach der perfekten Form halten, geschaffen von einem Künstler (weiblich oder männlich) des Holzdesigns. Tatsächlich handelt es sich aber um gynäkologische Untersuchungsinstrumente, nämlich sogenannten Spekula, mit denen die Scheide so weit auseinander gezogen wird, dass der Arzt (weiblich oder männlich) die Innenhaut sowie den Eingang in die Gebärmutter inspizieren kann. Um genau zu sein, sind es zwei Vorderblätter dieses Spekulums, das normalerweise aus einem Vorderblatt und einem Hinterblatt besteht.

Das lateinische Wort ‚Spekulum‘ bedeutet auf Deutsch ‚Spiegel‘, weil durch den üblicherweise verwendeten Stahl Licht eingefangen wird, um besser sehen zu können. Spekula müssen desinfiziert werden; auch aus diesem Grund wird Stahl oder Glas verwendet, neuerdings auch Kunststoff für Einmal-Spekula.

Holz - in unserem Fall wahrscheinlich Linden- oder Buchenholz - wäre für den Gebrauch als gynäkologisches Untersuchungsinstrument daher ungeeignet. So erhebt sich die Frage nach dem Warum, auf die wir bisher noch keine endgültige Antwort gefunden haben.

Eine mögliche Erklärung lautet, dass es sich bei diesen beiden schönen Stücken um Prototypen handelt, die nach ihrer Optimierung in Metall nachgearbeitet wurden. Das erscheint insofern plausibel, als viele Ärzte (vorwiegend männliche) ihr Handwerkszeug gerne weiterentwickeln. Es gibt daher eine Vielzahl unterschiedlicher Spekula, wie etwa ein Blick auf http://www.m-e-dical.com/deutsch/vs.htm beweist.

Eine andere, ebenso plausible Erklärung hat uns der Wiener Gynäkologe Prof. Dr. Christian Dadak nach einer internationalen Recherche geliefert: Seiner Einschätzung nach wurden unsere Holzspekula bei galvanokaustischen Eingriffen eingesetzt - siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Galvanokaustik_(Medizin). Holz wäre in diesem Fall das geeignete Material, weil es gut isoliert und die Wärme nicht weiterleitet. So bleiben also die Wände der Scheide vor Verbrennungen bewahrt.

Für sein großzügiges Geschenk danken wir ganz herzlich Herrn HR Dr. Hans Kremser, Prim. i. R. der geburtshilflich-gynäkologischen Abteilung des LKH Villach, Schüler des legendären österreichischen Gynäkologen Hermann Knaus (1892-1970).

 

Inventarnummer: 3042
Material: Lindenholz
Objekt in cm: 24 x 3
Erhaltungszustand: gut
Spender: Hans L. Kremser