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Interruptin Spritzengarnitur

Interruptin war ein Mittel zum Schwangerschaftsabbruch, das allerdings wegen tödlicher Nebenwirkungen bald wieder aus dem Verkehr gezogen werden musste.

Ende der 1920er Jahre entwickelte der Berliner Apotheker Heiser diese Paste (Interruptin), die in die Gebärmutter eingebracht wurde und zum Abbruch führte. Sie war ursprünglich ein Gemisch aus Rosmarin, Aloe, Myrrhe, Krokus, Kampfer, Eukalyptusöl, Jod und dem stark desinfizierenden Thymol auf Fettbasis (Kakaobutter), die Inhaltsstoffe wurden im Laufe der Zeit aber verändert.

Die Paste wurde bei Tausenden illegalen Abtreibungen angewandt und schien eine so gute Wirkung zu haben, dass auch die Ärzteschaft darauf aufmerksam wurde. Sie sahen Interruptin ‚bei sachgemäßer Anwendung durch den Arzt als Fortschritt in der schonenden Einleitung der ärztlich indizierten Schwangerschaftsunterbrechung’ an. In der Folge wurde das Mittel häufig angewandt, sodass auch die Anzahl von Nebenwirkungen auffiel: Es mehrten sich Todesfälle durch Luft- oder Fettembolie.

Daraufhin wurde alles unternommen, den Gebrauch von Interruptin zuerst einzuschränken (Werbeverbot, Apothekenpflicht etc.) und es dann ganz vom Markt zu nehmen; allerdings war es trotz der Gefährlichkeit wegen seiner guten Wirksamkeit bei ‚Laien und Kurpfuschern’ noch lange beliebt.


Quelle: ‚Schwangerschaftsunterbrechung mit Interruptin und ähnlichen Präparaten’, Der Reichsminister des Inneren vom 8. März 1932 an die Landesregierungen, Stadtarchiv Lübeck

Inventarnummer: 1605
Material: Karton, Metall, Glas
Objekt in cm: 17,8x5,9x3,8
Datierung: 6/2004
Erhaltungszustand: gut (Spritze enthält Salbenreste)
Leihgabe: Universität Zürich