Dokumentationsarchiv Hermann Hubert Knaus

Hermann Hubert Knaus (geb. 1892 in St. Veit/Glan, gest. 1970 in Graz) war ein österreichischer Gynäkologe und Wissenschafter von internationaler Bedeutung.

Prof. Knaus’ wesentliche Leistung war die Aufklärung über die Befruchtbarkeit der weiblichen Eizelle, die Befruchtungsfähigkeit der männlichen Samenzelle sowie den konstanten Zeitabstand zwischen Eisprung und nachfolgender Menstruation. Dadurch wurde eine einigermaßen exakte Berechnung der sicheren und unsicheren Tage möglich. Knaus stellte 1929 auf einem Gynäkologenkongress in Leipzig seine neuen Erkenntnisse über die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage im Zyklus der Frau vor. 1934 veröffentlichte er seinen Menstruationskalender und warb für dessen breite Anwendung. Die von ihm und zeitgleich vom japanischen Gynäkologen Kyusaku Ogino entwickelte Methode für die Schwangerschaftsmethode ist die einzige von der katholischen Kirche tolerierte.

Beschreibung der Sammlung:
Die Kollektion Knaus ist äußerst umfangreich. Sie umfasst neben seinen Büchern und ca. 170 wissenschaftlichen Publikationen Arbeitsprotokolle, Korrespondenzen, Dossiers, Fotografien, Zeitungsberichte, Zeugnisse, Dokumente etc. An Objekten enthält sie den von ihm entwickelten Rechenbehelf C.D. Indicator aus mehreren Ländern sowie weitere Hilfsmittel zur Bestimmung der sicheren und unsicheren Tage.

Die Sammlung kamen auf mehreren Wegen zu uns: Zum einen aufgrund einer großzügigen befristeten Leihgabe seiner Familie, zum anderen durch langjährige eigene Recherchen und Sammeltätigkeit in in- und ausländischen Archiven, Bibliotheken und Datenbanken sowie durch Korrespondenz mit privaten und institutionellen Informanten.

Knaus’ Leben:
Hermann Hubert Knaus studierte (mit einer längeren Unterbrechung durch den 1. Weltkrieg) Medizin in Graz und Innsbruck. Nach seiner Promotion im Jahr 1920 begann er seine akademische Karriere an der Universitätsfrauenklinik Graz und absolvierte Studienaufenthalte im Ausland, so forschte er als Rockefeller-Stipendiat am Pharmakologischen Institut der Universität London und an der Universität Cambridge, 1927 habilitierte er sich für das Fach Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität Graz. 1930 verbrachte er Forschungssemester in Berlin und Paris, wurde A.o. Professor an der Universitätsklinik Graz, 1931 Ordentlicher Assistent der Frauenklinik Graz. 1934 wurde er als Vorstand an die gynäkologisch-geburtshilfliche Klinik der Deutschen Karl-Ferdinands-Universität nach Prag berufen. Von 1939 bis 1941 fungierte er als Dekan der medizinischen Fakultät ebendort. 1945 kehrte Knaus nach Österreich zurück; von 1950 bis 1960 war er Leiter der gynäkologischen Abteilung am Krankenhaus Wien-Lainz.

Unsere Broschüre ‚Hermann Knaus – Detektiv der fruchtbaren Tage (1892 – 1970)’ kann hier als pdf herunter geladen werden.

Portrait: Hermann Knaus (1892–1970)