Highlights vom 8. Juli 2010

Unsere Highlights von heute: Die befreite Frau





„... die Sehnsucht des Weibes nach Freiheit, nach dem Freisein von dem Zwange eines Naturwillens. Es ist die Sehnsucht der Frau, über die Leiden und Freuden ihres Körpers, ihres eigenen Ichs selbst bestimmen zu können, nicht mehr einem kausalen Schicksalszwange unterworfen zu sein.“ So leitete Alex van Paas sein Büchlein ‚Weib Du bist frei’ ein, in dem er „zum ersten Mal jeder Frau, die ihre genauere Geburtszeit kennt ... die Möglichkeit gibt, auf ganz einfache Weise ... ihre empfängnisfreien Zeiten für das ganze Jahr 1931“ festzustellen.

 

Dreißig Jahre später wurde die Frau in ihrer Fruchtbarkeit neuerlich befreit: Die erste Verhütungspille Enovid kam in den USA auf den Markt und benützte für ihre ersten Werbemaßnahmen das Bild der Andromeda aus der griechischen Mythologie. Andromeda war an einen Felsen am Meer geschmiedet worden, um einem Ungeheuer geopfert zu werden. So wie der griechische Sagenheld Perseus sie befreit habe, so befreie Enovid im Jahr 1961 die Frau aus den Ketten ihrer Fruchtbarkeit.

 

Sehen Sie die schöne skulpturelle Darstellung der befreiten Andromeda als Enovid-Werbegeschenk aus dem Jahr 1961 auf unseren aktuellen Highlights: http://de.muvs.org/verhuetung/v-media/enovid-plakette-id2333/.

 

Eine Befreiung der anderen Art ermöglicht die soeben in Kraft getretene Änderung des Landessicherheitsgesetzes für Wien:Wer eine Familienplanungsklinik aufsucht, darf nicht länger belästigt, behindert, beleidigt oder mit unerwünschten ‚Geschenken’ behelligt werden.

§ 3 ermächtigt die Polizei zur Verwarnung bzw. zur Wegweisung von Personen, die andere in unzumutbarer Weise belästigen, insbesondere wenn auf Personen, die sich einer sozialen oder medizinischen Einrichtung nähern, psychischer Druck ausgeübt wird - zum Beispiel durch nachdrückliches Ansprechen oder (versuchte) Übergabe von Gegenständen -, oder sie am Zugang zu öffentlichen Einrichtungen behindert werden.

 

Damit sollten solche Situationen beendet sein, wie Wolf Haas sie 2009 in seinem Bestseller ‚Der Brenner und der liebe Gott’ treffend beschrieben hat: Mangels gesetzlich festgeschriebener Schutzzone „stehen die KampfbeterInnen vor der Klinik Spalier“ und belästigen Personal und Patientinnen. Die Klinik greift zur Selbsthilfe: „Du musst Dir das so vorstellen: Rechts vom Eingang ist ein rosenkranzbetender Abtreibungsgegner mit dem Embryobild gestanden und links vom Eingang eine stiernackige Frau mit Rasenmäherfrisur vom Sicherheitsdienst, quasi Gleichgewicht des Schreckens.“

http://de.muvs.org/abbruch/abb-media/landessicherheitsgesetz-fuer-wien-id2765/

 

Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch, Mariahilfer Gürtel 37, 1150 Wien

Besuchen Sie uns Mittwoch bis Sonntag 14 bis 18 Uhr oder jederzeit unter www.muvs.org