NL 2011/02

‚Gottes Segen’ in Zahlen gefasst:
Der britische Nationalökonom Robert Malthus wurde vor 245 Jahren geboren





Dass Kinder Nahrung und Kleidung brauchen, war dem Einzelnen auch schon im 18. Jahrhundert bekannt, aber Robert Malthus rechnete es vor und setzte seine Zahlen in Beziehung zu den vorhandenen Ressourcen. Dabei kam er zu einem erschreckenden Ergebnis: „Indem ich meine Postulate als gesichert voraussetze, behaupte ich, dass die Vermehrungskraft der Bevölkerung unbegrenzt größer ist als die Kraft der Erde, Unterhaltsmittel für den Menschen hervorzubringen. Die Bevölkerung wächst, wenn keine Hemmnisse auftreten, in geometrischen Reihen an. Die Unterhaltsmittel nehmen nur in arithmetischer Reihe zu. Schon einige wenige Zahlen werden ausreichen, um die Übermächtigkeit der ersten Kraft im Vergleich zur zweiten vor Augen zu führen.“

 

Die allgemeine Empörung auf seine Schrift ‚Das Bevölkerungsgesetz’ von 1798 war groß. Zwar hatten schon in der Antike und später prominente Denker über das Problem der Überbevölkerung nachgedacht, doch zu Malthus Zeit waren die Stimmen derer laut, die eine möglichst große Anzahl von Kindern als gottgefällig deklarierten. Das hatte für die herrschenden Gruppen einen großen Vorteil: der Staat wollte Soldaten und Steuerzahler; die Kirche wollte ‚stark’ sein, wofür ebenfalls eine große Zahl von Anhängern erforderlich war. Malthus: „Nichts ist häufiger zu hören als die Rede von den Anreizen, die man der Bevölkerung zur Vermehrung geben sollte.“

 

Pikanterweise war Malthus (1766-1834) zum Zeitpunkt der Veröffentlichung seines Buches anglikanischer Pfarrer und sollte von daher eigentlich die Meinung seiner Kirche vertreten. Doch seine kleinen Pfarre bot ihm hinreichend Gelegenheit zur Beobachtung: „Wer am Land lebt muss bemerken, dass Arbeiterkinder in ihrem Wachstum meist zurückgeblieben sind und spät erwachsen werden. Wenn man einen Burschen für vierzehn oder fünfzehn Jahre hält, ist er oft in Wirklichkeit achtzehn oder neunzehn.” Malthus sah, wie viele Kinder aufgrund der desolaten finanziellen Situation ihrer Familien Kinder verhungerten, erfroren oder an Vernachlässigung und behandelbaren Krankheiten starben.

 

 

Geburtenkontrolle durch Enthaltsamkeit

In seiner spektakulären Schrift ‚Essay on the Principle of Population‘ schlug Malthus eine Senkung der Geburtenrate durch sexuelle Enthaltsamkeit und späte Heirat vor. Anstatt die Kinderzahl durch Not und Elend nachgeburtlich zu begrenzen, sollten Schwangerschaften auf diese Weise von vornherein verhütet werden. Er selbst heiratete erst mit 38 Jahren und hatte (nur) drei Kinder, von denen eines als Teenager starb; die beiden anderen blieben kinderlos.

 

Malthus’ Gedanken beeinflussten viele Schulen und Strömungen. Die bekanntesten sind der Darwinismus (The Survival of the Fittest) sowie der Neomalthusianismus mit einem Plädoyer für die vorbeugende Verhütung von ungewollten Schwangerschaften.

Viele Verhütungsmittel aus dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert beziehen sich in ihrer Werbung auf Malthus bzw. den Neomalthusianismus, um mit diesen wissenschaftlichen Zitaten das herrschende Verbot der Anwendung zu unterlaufen.

 

 

Kommen Sie zur Auseinandersetzung mit den VorkämpferInnen der Familienplanung ins Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch: Mittwoch bis Sonntag 14-18 Uhr. Mariahilfer Gürtel 37, 1150 Wien. de.muvs.org