NL 2004/07

Käthe Kollwitz (1867 – 1945) auf dem Aufklärungsblatt Liebe - ohne unerwünschte Kinder! von 1913, Bidet, 'Turnübungen' nach dem Akt (Friedrich Eduard Bilz, 1900)





Liebe FreundInnen des Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch,



Viele Künstler haben sich mit dem Thema ‚Abtreibung‘ beschäftigt und werden das wohl auch weiterhin tun. Ein prominentes Zeugnis in unserer Sammlung ist eine Kohlezeichnung der deutschen Malerin Käthe Kollwitz (1867 – 1945) auf dem Aufklärungsblatt Liebe - ohne unerwünschte Kinder! von 1913 für Die Mittel zur Verhütung ungewollter Empfängnis und Schwangerschaft.

Selbst aus einer kinderreichen Familie stammend bekam sie durch ihre Ehe mit dem Armenarzt Karl Kollwitz hautnah das soziale Elend der Berliner Arbeiter in der Zwischenkriegszeit mit. 1924 gestaltet sie das Plakat Nieder mit den Abtreibungsparagraphen, mit dem sie gegen den Paragraph 218 Reichsstrafgesetzbuch (vom 1.1. 1872) Stellung nimmt. „Eine Schwangere, welche ihre Frucht abtreibt oder im Leib tötet, wird mit Zuchthaus bis zu 5 Jahren bestraft.“ Auf dem Deutschen Ärztetag von 1928 wurde festgestellt, dass bei ca. 80 000 Abbrüchen 10 000 Frauen sterben und ca. 50 000 Frauen bleibende Gesundheitsschäden davontragen.

Auch diese Broschüre wurde bereits eingescannt und wird auf unserer Homepage einsehbar sein.





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Haben Sie ein Bidet in Ihrem Badezimmer? Bei ebay läßt sich die folgende Geschichte über die wahre Aufgabe des Bidets nachlesen: „Ich erinnere mich an eine Amerikanerin, die vor gar nicht so langer Zeit im Bad eines Pariser Hotels das Bidet entdeckte und das Zimmermädchen fragte: „Oh, how lovely - is it to wash the babies in?" - Worauf die junge Französin lächelte: "No, Madame - it is to wash the babies out!"

Bidets (Sitzbecken) waren bereits in der Antike bekannt – ihre Bereitstellung für Vaginalspülungen vor und nach dem Koitus wird in griechischen Eheverträgen erwähnt. Die moderne Entwicklung setzte im frühen 18. Jahrhundert ein, wurde aber, vermutlich wegen des wahren Zweckes, in Amerika und England lange Zeit als unmoralisch abgelehnt. Noch im Jahr 1900 mußte das feine Hotel Ritz in New York die soeben installierten Bidets wieder herausreissen, weil sich die Tugendwächter daran stießen.

Früher musste die Scheidenspülung auf dem Bidet mittels eines separaten Einlaufbehälters oder einer Spritze (‚Mutterspritze‘ genannt) durchgeführt werden. Mit Einführung der Wasserleitungen Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die ersten Bidets mit einem Wasserstrahl zur Scheidenspülung, die sog. Unterdusche, hergestellt. Nach Einführung der Pille und anderer sicherer Verhütungsmittel in den 60-er Jahren ging der Verkauf von Bidets, insbesondere mit Unterspülung, drastisch zurück.

Auch in Katalogen von Sanitärherstellern wurde die wahre Funktion von Bidets verschwiegen – ganz selten gibt einmal ein Produktname wie Protektor Aufschluß.

Bitte lassen Sie uns wissen, wenn irgendwo ein altes Bidet verfügbar ist.



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„Das Herausschleudern des Samens sofort nach dem Akte ist in Ungarn und Österreich ... gebräuchlich. Die Frau richtet sich unmittelbar nach Beendigung des Aktes auf, spreizt die Beine und mit einer schlängelnden Bewegung des Rumpfes sucht dieselbe durch einen kräftigen Ruck den männlichen Samen wieder herauszuwerfen.“

Diese interessante ‚Verhütungsmethode‘ schilderte der sächsische Lebensreformer und Naturheilkundler Friedrich Eduard Bilz (1842 - 1922) in seinem Werk Das neue Naturheilverfahren – Lehr- und Nachschlagebuch der naturgemäßen Heilweise und Gesundheitspflege’ von ca. 1900.

Davon hatte auch der Berliner ‚Vater der Sexologie‘ Iwan Bloch (1872-1922) gehört, allerdings ortete er in seinem Werk Das Sexualleben unserer Zeit in seinen Beziehungen zur modernen Kultur ) das Vorkommen woanders: „In Italien und Neu-Guinea entfernen manche Weiber das Sperma nach

vollendetem Koitus durch Muskelaktionen, heftige Bewegungen des Mittelkörpers, aus der Scheide.“



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Trotz interessanter Neuzugänge sind wir weiterhin auf der Suche nach Objekten und Leihgaben für das künftige Museum für Schwangerschaftsverhütung und –abbruch: speziell Filme, Plakate, Broschüren, Bücher, Dokumente, Statistiken; Hilfsmittel und Gerätschaften zur Verhütung, zu Schwangerschaftstests und zur Abtreibung. Alles von einst & jetzt, von hier & anderswo.



Sie können uns aber auch durch die Übernahme von Sponsorships für Objekte unterstützen, die wir alleine nicht finanzieren können.