NL 2011/09

45. Todestag von Margaret Sanger (1879-1966)
Familienplanung galt als kommunistische Infamie





Begonnen hat sie als Krankenschwester, doch ganz schnell sah Margaret Sanger (1879 – 1966), dass sie Einfluss und Geld brauchte, um den Millionen „armen, schwachen, zerbrechlichen und verwüsteten Frauen, alle Jahre wieder schwanger, wie automatische Brutmaschinen“ zu helfen. Doch seit 1873 galt in den USA das ‚Comstock-Gesetz’, benannt nach Anthony Comstock (1844-1915), einem amerikanischen Politiker und Moralapostel. Durch dieses Gesetz war der Versand jeder Art obszöner Schriften verboten – und Verhütung galt als das obszönste Thema von allen. Damit war jegliche Informations- und Aufklärungsarbeit blockiert und strafbar.

In ihrem langen Wirken gelang es Margaret Sanger, viele einflussreiche und/oder reiche Mitstreiter zu gewinnen, die ihre Ideen unterstützten. Dennoch bestimmten politische Kämpfe ihr Leben. Ihr Ziel der Liberalisierung der Familienplanung kam Anfang der 1930er-Jahre als Unterstützung kommunistischer Agitation in Verruf: Katholische Gruppen behaupteten nämlich, dass die Propagierung der Geburtenkontrolle ein Versuch der Kommunisten seien, die Vereinigten Staaten zu schwächen.

Aus diesem Grund gab Sanger ihren Plan auf, im Jahr 1932 eine Familienplanungskonferenz in den UDSSR abzuhalten. Erst als im darauf folgenden Jahr diplomatische Beziehungen zwischen den USA und der Sowjetunion aufgenommen wurden, konnte Sanger ihre lange geplante Reise nach Leningrad antreten, um die russischen Erfahrungen bezüglich Verhütung und Schwangerschaftsabbruch zu studieren.

Politisch blieb ihr Leben weiterhin. Auch mit 80 Jahren ergriff sie noch Position, beispielsweise im Jahr 1959. In diesem Fall war der amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower ihre Zielscheibe: Dieser hatte entgegen der Empfehlung seiner eigenen Regierungskommission jede Finanzhilfe für die Geburtenkontrolle in Entwicklungsländern abgelehnt. Er sagte: „So lange ich hier etwas zu sagen habe, wird diese Regierung derartige Programme nicht unterstützen. Das geht uns nichts an.“

Margaret Sanger protestierte lautstark und forderte Eisenhower zu einer öffentlichen Debatte heraus. Diese fand zwar nicht statt, doch hatte Sanger ihr Ziel erreicht: Das Thema Geburtenkontrolle beschäftigte einige Tage lang die Medien.

 

Sangers größter Erfolg war sicherlich die Entwicklung der Anti-Baby-Pille in den 1950er-Jahren, die erst durch ihren Anstoß und ihre Fähigkeiten der Geldbeschaffung möglich wurde.

 

 

Kommen Sie zur Auseinandersetzung mit den VorkämpferInnen der Familienplanung ins Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch: Mittwoch bis Sonntag 14-18 Uhr. Mariahilfer Gürtel 37, 1150 Wien. Besuchen Sie auch unsere Homepage de.muvs.org und unsere Facebookseite http://www.facebook.com/eMUVS.