NL 2013/07

Menstruationsmanagement: Der Umgang mit der Pille verändert sich





‚Die Regel um ein paar Tage verschieben’ war für unsere Mütter eine besondere Annehmlichkeit der Pille: Wer rechtzeitig vor Schulexkursionen oder einer Flugreise mit dem Gynäkologen sprach, konnte die oft schmerzhaften und unangenehmen Tage auf einen weniger störenden Termin verschieben.

Seit einigen Jahren wird in Fachkreisen diskutiert, wie viel ‚Menstruation’ unter der Pille überhaupt sein muss. Denn die monatliche Entzugsblutung bei Frauen, die mit Pille, Ring oder Pflaster verhüten, basiert nicht auf einer biologischen Notwendigkeit, sondern ist künstlich ausgelöst – durch eine einwöchige Pause in der Hormonzufuhr. Dieses konventionelle Einnahmeschema entwickelten die Erfinder der Pille in den 1950er-Jahren eigentlich aus psychologischen Erwägungen: Die Anwenderinnen würden die unbekannte neue Pille leichter akzeptieren, wenn sie sich Monat für Monat vergewissern könnten nicht schwanger zu sein. Auch die amerikanische Zulassungsbehörde FDA würde leichter ihre Zustimmung zur Einführung der Pille geben, wenn der ‚natürliche’ Rhythmus beibehalten würde.

Inzwischen geht frau mit der Pille selbstverständlicher um als damals, sieht sie eher als ‚nützliches Werkzeug’ statt als medizinischen Eingriff. Entsprechend gaben im aktuellen Österreichischen Verhütungsreport fast 40 Prozent der befragten Frauen an, dass sie eigene Erfahrungen mit dem Menstruationsmanagement haben: 4 Prozent nehmen die Pille regelmäßig über einen längeren Zeitraum ein, um sich die Entzugsblutung zu ersparen, 14 Prozent machen es hin und wieder. Vor allem junge Frauen zwischen 21 und 29 Jahren lassen sich von der ‚Regelblutung’ nicht mehr so quälen, wie es ihre Mütter noch erlebt haben.

Dieser moderne Umgang mit der Pille ist medizinisch durchaus vertretbar: Das Wohlbefinden der Frauen steigt messbar, Kopf- und Bauchschmerzen nehmen ab. Nach Absetzen der Pille werden rasch wieder normale Zyklen erreicht.

Auch die Industrie hat auf das geänderte Konsumentenverhalten reagiert und eine Pille entwickelt, die ohne Unterbrechung drei Monate lang eingenommen wird. So hat frau also nur viermal jährlich ‚ihre Tage’.

 

Eine gute Darstellung der spannenden Entwicklungsgeschichte der Pille ist das Buch ‚The Control of Fertility’, das der amerikanische Physiologe und Pillen-Hauptforscher Gregory Pincus im Jahr 1965 veröffentlicht hat.

 

 

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