NL 2014/02

Happy Birthday, Jack Lippes!
Der Vater der Lippes Loop-Spirale wird 90





Ständig musste sich der amerikanische Gynäkologe Jack Lippes in den 1950er-Jahren von seinen Patientinnen anhören, wie unzufrieden sie mit der geringen Auswahl von Verhütungsmöglichkeiten waren: Sie bestand im Wesentlichen aus Diaphragma und Kondom. Die ‚Pille’ war noch nicht entwickelt und die Spirale galt in der Ärzteschaft als zuwenig sicher und wirksam, um im ärztlichen Alltag verschrieben zu werden; in gynäkologischen Lehrbücher wurde sie verdammt; wer sie dennoch verschrieb, ließ die Patientinnen absolute Verschwiegenheit geloben, um nicht von der Kollegenschaft ‚zerrissen’ zu werden.

„Etwas Besseres muss her“, dachte sich Lippes und begann zu experimentieren. Ausgehend vom Gräfenberg-Ring aus den 1930er-Jahren dachte er das Prinzip der Spirale neu. Kollegen nannten ihn ‚radikal’ und warnten ihn, er würde geklagt. Doch Lippes blieb dran und führte seine Versuchsreihen durch, teilweise auf eigene Faust, teilweise mit zusammengebetteltem Geld, teilweise mit der Hilfe von Freunden. So opferte Helen Bronnenkant ein Keksblech für das Gießen der ersten Spiralen und ihr Mann Paul Bronnenkant, Testpilot im 2. Weltkrieg und Präsident von Hallmark Plastics, beteiligte sich als begeisterter Techniker. In langen Versuchsreihen testete Lippes verschiedene Kunststoffe, die Biegsamkeit der einzelnen Typen, die Modellgrößen im Verhältnis zu den Abmessungen der Gebärmutter, die besten Rückholfäden, die Wirksamkeit und Nebenwirkungsrate und optimierte die Form.

 

Eine neue Form erhöht die Wirksamkeit

Im Jahr 1962 präsentierte er bei der Ersten Internationalen Konferenz für intrauterine Verhütung sein neues Spiralendesign: Die Doppel-S-Spirale aus Plastik, genannt ‚Lippes-Loop’. Durch ihre Trapezform passt sie sich perfekt an den Verlauf der Gebärmutterhöhle, wodurch sie deutlich seltener ausgestoßen wird als frühere Spiralenformen. Die Lippes-Loop wurde zum Standard, mit dem sich alle anderen Entwicklungen messen mussten. In vier Größen erhältlich wurde sie zur am häufigsten verschriebenen Spirale in den USA. Dank ihrer Biegsamkeit konnte sie auseinandergezogen und in einen Inserter geschoben werden, was die schmerzfreie Einführung in die Gebärmutter erleichterte. Außerdem hatte sie den Nutzen eines röntgendichten Zusatzes, dank dessen eine Kontrolle im Röntgen möglich war.

Im Jahr 1973 veröffentlichten Lippes und Mitarbeiter erste Ergebnisse des Effektes von Kupfer, das in die Plastikform des kleinsten Modelles ‚A’ eingegossen worden war. Die Idee dahinter war, dass Spiralen nicht inerte Fremdkörper sein müssen, deren bloße Anwesenheit in der Gebärmutter eine Schwangerschaft verhütet, sondern als Träger verschiedener pharmakologischer Substanzen fungieren können. Tatsächlich erhöhte sich bei seinen ersten Versuchen die Wirksamkeit, doch stiegen auch die Nebenwirkungen. Daraufhin forschte Lippes über die beste Art und Menge des zugesetzten Kupfers; außerdem überlegte er damals auch schon den möglichen Einsatz für die ‚Verhütung danach’.

 

Jahrzehntelang für Familienplanung

Jack Lippes, geboren am 19. Februar 1924 in Buffalo, studierte Medizin und arbeitete anschießend an verschiedenen Frauenkliniken. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1999 war er Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe an seiner ehemaligen Universität (State University of New York at Buffalo, School of Medicine), führte aber auch fast 35 Jahre eine Privatpraxis. Als medizinischer Direktor wirkte er im Rahmen der Organisation Planned Parenthood of Buffalo, und baute die erste In-vitro-Klinik in Buffalo auf. Er hatte auch wesentlichen Anteil an der Verbreitung der Quinacrin-Sterilisation der Frau, die sich als einfache und billige Form ohne Operation insbesondere in Entwicklungsländern weit verbreitet hat.

Die Zahl seiner internationalen Aufgaben war groß, so arbeitete er unter anderem für Afghanistan, Indien, Iran, Pakistan, Süd-Korea, Taiwan und Tunesien. Zu den zahlreichen Ehrungen für sein Lebenswerk zählt die Auszeichnung der Europäischen Gesellschaft für Verhütung und reproduktive Gesundheit, die zuvor noch niemals an einen Amerikaner verliehen worden war. Am 19. Februar wird Jack Lippes 90 Jahre alt.

 

Das Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch bewahrt eine Reihe von Lippes-Loops, Prototypen und zugehörigen Forschungsberichten und dokumentiert diese Pionierleistung in der Geschichte der Spirale.

Besuchen Sie das Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch, Mariahilfer Gürtel 37, 1150, Mittwoch bis Sonntag 14 bis 18 h, oder unsere Homepage de.muvs.org und unsere Facebookseite http://www.facebook.com/eMUVS.