NL 2005/02

Coca-Cola als Notfallsverhütung, George Michaels (1912-1992), Schafsdarm-Kondom zum Selbermachen, Sterilisation des Mannes





Liebe FreundInnen des Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch,

haben Sie eigene Erfahrungen oder eigenes Wissen über zischendes Coca-Cola als Notfalls-Kontrazeption? Was angeblich unter jungen Mädchen als Geheimmittel weitergeflüstert wird, hat unseres Wissens nur ein einziges Mal Eingang in die wissenschaftliche Literatur gefunden („Die sprudelnde Dusche direkt aus der Flasche eines weltweit verbreiteten kohlensäurehaltigen Getränkes wird häufig verwendet und ist spermientötend.“ Robert L. Dickinson, Techniques of Contraception Control, JAMA 123, 1946). Für weitere Hinweise sind wir dankbar.

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Buchstäblich das Zünglein an der Waage war der inzwischen fast vergessene George Michaels (1912-1992) im Jahr 1970 bei der Abstimmung des Staates New York über die Liberalisierung der Abtreibung. Mit verzweifeltem Mut ermöglichte er den Durchbruch – um den Preis seiner eigenen Karriere.

Die Gesetzesänderung hatte den Senat bereits passiert, drohte aber im Repräsentantenhaus zu scheitern: 74 Ja- zu 74 Nein-Stimmen. Ein kleiner Provinzanwalt von 59 Jahren, Abgeordneter für einen konservativ-katholischen Wahlbezirk New Yorks, war Georg Michaels zwar persönlich für die Entscheidungsfreiheit der Frau, hatte sich aber bisher an die demokratische Parteilinie gehalten.

In einer historischen Filmaufnahme kann man dramatisch miterleben, wie Michaels nach dem Mikrophon greift und in der fassungslosen Spannung des ganzen Saales mit zitternder Stimme sein ‚Nein’ in ein ‚Ja’ ändert. „Ich weiß, dass damit meine politische Karriere zu Ende ist. Doch ich kann nicht guten Gewissens hier sitzen und zulassen, dass es von meiner Stimme abhängt, ob das Gesetz in Kraft treten kann.“

Das Gesetz wurde angenommen und andere Bundesstaaten folgten. Doch George Michaels wurde persönlich geächtet, beruflich beschädigt und verlor sein politisches Mandat, das er fünf Perioden lang ausgeübt hatte.

Die bewegende Szene seiner persönlichen Courage aus dem Film ‚From Danger to Dignity: The Fight for Safe Abortion’ ist im Museum zu sehen.

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Wer sich immer schon den Kopf zerbrochen hat, wie man im Do-it-yourself-Verfahren ein Schafsdarm-Kondom anfertigt, findet im folgenden eine Anleitung von 1824:
Man weiche einen Schafsdarm (Intestinum caecum) für mehrere Stunden in Wasser ein, stülpe ihn um und lege ihn in eine schwach alkalische Lösung, die alle zwölf Stunden gewechselt wird. Die Schleimhaut abschaben, aber die peritoneale und die muskulöse Schicht unbeschädigt lassen; den Schwaden von brennendem Schwefel aussetzen, mit Wasser und Seife waschen; aufblasen, trocknen, auf eine Länge von 18 bis 20 cm kürzen, an die Kante ein Band nähen. Vor der Verwendung in Wasser einweichen, damit das Kondom geschmeidig ist.
Im englischen Wortlaut nachzulesen auf Lesley Halls Website www.lesleyahall.net/condoms.htm
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Die Sterilisation des Mannes (Vasektomie) ist nur in wenigen Ländern verbreitet. Häufig gibt es falsche Vorstellungen von dem Eingrif, so daß sich meist nur wenige Männer zu diesem Schritt entscheiden. Aber auch die Endgültigkeit der Entscheidung schreckt viele Männer/Paare ab. Es wird zwar immer wieder von einer Rückoperation gesprochen, aber die Erfolgsrate ist sehr gering, so daß man von einem endgülgtigen Eingriff ausgehen muß.
Die Häufigkeit der Anwendung ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Die Tabelle gibt an, wieviel Prozent der Paare mit einer festen Partnerschaft sich auf die jeweilige Methode verlassen.
Tubenligatur (Frau) Vasektomie (Mann)
weltweit 20% 4%
Europa 5% 5%
Westeuropa 3% 7%
USA 24% 13%


Alles könnte ganz einfach sein, wenn die bestehenden Samenbanken (Kryobanken) den Samen von Männern annehmen würden, die sich freiwillig sterilisieren lassen. Doch aus nicht näher erläuterten ‚ethischen Gründen’ ist die teure Dienstleistung in den meisten Fällen auf solche Männer beschränkt, die ihren Samen aus medizinischen Gründen einfrieren lassen müssen, z.B. vor einer Strahlen- oder Chemotherapie.
Die einzige uns bislang bekannte Möglichkeit, tiefgekühltes Sperma vor einer Sterilisation einzulagern, besteht bei der Cryobank Krefeld. Näheres unter www.airliquide.de/loesungen/business/medizin/service/kryobank/index.html. Eingefroren wird das Sperma beispielsweise in der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie an der Technischen Universität München (Anmeldung unter +49/89 4140 3178 zwischen 7.30 Uhr und 14.00 Uhr). Näheres unter www.derma-allergie.med.tu-muenchen.de (? Spezialsprechstunden/Abteilungen ? Andrologie)

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Trotz interessanter Neuzugänge sind wir weiterhin auf der Suche nach Objekten und Leihgaben für das künftige Museum für Schwangerschaftsverhütung und –abbruch: speziell Filme, Plakate, Broschüren, Bücher, Dokumente, Statistiken; Hilfsmittel und Gerätschaften zur Verhütung, zu Schwangerschaftstests und zur Abtreibung. Alles von einst & jetzt, von hier & anderswo.

Sie können uns aber auch durch die Übernahme von Sponsorships für Objekte unterstützen, die wir alleine nicht finanzieren können.