NL 2015/02

Carl Djerassi und die ‚Pille’: Er lieferte den (Wirk)Stoff





Er war nicht der Einzige, dem wir die ‚Antibabypille’ verdanken, aber wohl der Bekannteste: der Chemiker Carl Djerassi (geb. 1923) ist gestern gestorben. Als Jüngster überlebte er seine Mitstreiter um Jahrzehnte und hatte so Gelegenheit, zuerst den unwahrscheinlichen Hype um die Pille und anschließend das allmählich wachsende Misstrauen zu beobachten.

Die Pille wurde quasi zweimal erfunden: Einmal als Vision zweier Frauen, nämlich der  Krankenschwester Margaret Sanger (1879-1966) und ihrer finanzkräftigen Freundin, der Biologin Katharine McCormick (1875-1967), und einmal als chemisch-medizinisches Entwicklungsprojekt. Der Physiologe Gregory Pincus (1903-1967) war 1951 vom Duo Sanger-McCormick mit der Entwicklung eines wirksamen und sicheren Verhütungsmittels beauftragt worden, mit dem die Befreiung der Frau vom damals so genannten 'Gebärzwang' erreicht werden sollte. Er entwickelte das Prinzip der hormonellen Verhütung basierend auf der Beobachtung, dass eine erhöhte Progesteron-Konzentration (wie sie während der Schwangerschaft vorliegt) einen (weiteren) Eisprung (Ovulation) verhindert. Dabei nützte er das von Djerassi und Mitarbeitern synthetisierte Schwangerschaftshormon Progesteron. Der Gynäkologe John Rock (1890-1984) führte schließlich die klinischen Tests durch und entwarf das Einnahmeschema, mit dem der natürliche Monatszyklus der Frau imitiert wird. Anfang der 1960er-Jahre kam die Pille auf den Markt.

Erst durch diese sichere Form der Geburtenkontrolle wurde die Emanzipation der Frau möglich, wie internationale Studien (z.B. Pezzini, 2004) gezeigt haben. Doch nach der anfänglichen Erleichterung über die neue Möglichkeit hat sich zunehmend Skepsis eingestellt. Zwar ist die ‚Pille’ immer noch Nummer eins in der Verhütung, doch liegt der Anteil von Frauen/Paaren, die (wieder) weniger wirksame Methoden anwenden, weil sie ‚natürlich’ verhüten möchten, bereits bei 19 Prozent (Österr. Verhütungsreport, 2012).

Entsprechend werden heute immer noch viele Frauen ungewollt schwanger. Das ist erstaunlich angesichts der Tatsache, dass heute mehr wirksame Verhütungsmethoden als jemals in der Menschheitsgeschichte zur Verfügung stehen.

 

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