NL 2005/03

Die Pille in Japan, Abbruchversuche mit Mutterkorn aus ‚Der Arzt für Alle’ von E. Hofmann (1925), Hulka-Clip für die Sterilisation der Frau





Liebe FreundInnen des Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch,


JapanerInnen sind sexuell abstinent, sodaß ein dramatischer Bevölkerungsrückgang zu befürchten ist, wenn man einer aktuellen Studie des japanischen Gesundheitsministeriums glauben kann. Japan hat bereits jetzt eine der niedrigsten Geburtenraten weltweit.

Die Angst vor dem Aussterben der japanischen Bevölkerung lieferte jahrzehntelang auch den Vorwand, um die Zulassung der Antibabypille als Verhütungsmittel zu verhindern. Erst nach 35 Jahren voller Diskussionen, Bedenken, Verschiebungen und weiteren Prüfungen kamen im Jahr 1999 zehn niedrigdosierte Pillenpräparate auf den japanischen Markt. Die Pille ist bis heute nicht sehr verbreitet, was nach all den Negativschlagzeilen nicht wunder nimmt: gewarnt wurde vor unerwünschten Nebenwirkungen auf den Herz-Kreislauf-Bereich, der Verwahrlosung der sexuellen Moral, der Ausbreitung von sexuell übertragbaren Krankheiten, der Gefahr von Krebs, einer Umweltgefährdung durch den hormonbelasteten Harn der Pillenverwenderinnen sowie vor möglichen Schädigungen nachfolgender Kinder.

Tatsächlich scheinen hinter all diesen Bedenken und Befürchtungen handfeste finanzielle Erwägungen zu stehen: mit Schwangerschaftsabbrüchen wurden im Jahr 1999 offiziell rund $400 Mio. umgesetzt und sie sind ein wichtiger Einkommensbestandteil für niedergelassene Ärzte; am Umsatz von Kondomen partizipierten Familienplanungsorganisationen und medizinische Vereinigungen.

Detail am Rande: Viagra wurde im Rekordtempo von 6 Monaten und ohne regional durchgeführte klinische Studien zugelassen.

Eine gute Darstellung ist nachzulesen in ‚Oral Contraceptives and Women’s Health’ von Aya Goto et al. in JAMA, Dec. 8, 1999-Vol 282, No. 22



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„Es sind schon sehr viele Todesfälle nach Abtreibungsversuchen mit Mutterkorn beobachtet worden; eine leichte oder schwere Vergiftung wird sich kaum je vermeiden lassen, wenn tatsächlich eine Wirkung erzielt wird,“ schreibt der praktische Arzt Dr. E. Hofmann im Jahr 1925 in seinem Buch ‚Der Arzt für Alle’.

Und weiter: „Die Menge, in der das Mutterkorn sicher wirkt, ist ungefähr auf 10 -20 Gramm zu veranschlagen; doch ist hierbei zu bedenken, daß diese Dosis nicht ungefährlich für die Mutter ist, wie überhaupt alle Abtreibungsmittel mehr oder weniger schwere Gifte darstellen. Besonders gut ist die Wirkung des Mutterkorns zu der Zeit, wo die monatliche Regel eigentlich kommen sollte.“

Hofmanns Buch ist eines der wenigen Gesundheitsbücher dieser Zeit, das auf Abtreibungsfragen eingeht; seine KollegInnen haben sich im Allgemeinen darauf beschränkt, das Thema Verhütung mehr oder weniger (meist weniger) ausführlich darzustellen.

Doch Hoffmann beschäftigt sich weitsichtig mit der Frage, „... ob eine Mutter mit ihrem Körper nicht machen darf, was sie machen will, und ob es nicht sowohl vom moralischen als auch vom praktisch-sozialen Standpunkt aus wichtiger ist, wenn ein Kind im ersten oder zweiten Schwangerschaftsmonat wieder entfernt wird, als daß ein Wesen geboren wird, dem es infolge der wirtschaftlichen Lage seiner Eltern von vornherein bestimmt ist, in größtem Elend und ohne jede Pflege aufzuwachsen, das verwahrlosen und verkümmern muß.“

Leider haben wir bisher keine weiteren Daten über diesen interessanten Arzt aus Wien in Erfahrung bringen können.


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Ein kleines Kunstwerk der Mechanik und Materialkunde ist der so genannte Hulka-Clip für die Sterilisation der Frau, die so genannte Eileiterunterbindung, auch Tubenligatur genannt. Der Clip wird mit einer Bauchspiegelung über dem Eileiter platziert und freigegeben. Dank eines intelligenten Verschlusssystems drückt eine Metallklammer den Kunststoffclip langsam zusammen, bis er nach etwa 2 Wochen den Eileiter vollständig abgeklemmt hat. Durch dieses Schließen im Schneckentempo werden Blutungen (in die Bauchhöhle) verhindert.

Prof. Jaroslav Hulka entwickelte an der Universität von Chapel Hill/North Carolina den Sterilisations-Clip bereits im Jahre 1971. In ausgedehnten Feldversuchen an 1000 Frauen in der ganzen Welt untersuchte er jede nur denkbare Fehlerquelle hinsichtlich sicherer Anwendung und Wirksamkeit. Der Clip ist heute noch – neben dem so genannten Filshie-Clip – im Einsatz und wurde bisher weltweit an etwa 2 Mio. Frauen angewendet.

Jaroslav Hulka (geb. 1930 in New York) kam persönlich nach Wien, um sich über den Aufbau des Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch zu informieren und uns seinen wissenschaftlichen Besitz zu übergeben. Die Sammlung Hulka enthält die vielen von ihm entwickelten Geräte, Hilfsmittel, Apparate, Lehrbehelfe, die Prototypen und Materialstudien sowie Publikationen auf verschiedenen gynäkologischen Bereichen.

Nach der umfangreichen Sammlung an Spiralen von Prof. Robert Snowden/Universität Exeter (GB) ist dies die zweite große Sammlung, die uns anvertraut wurde.


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Trotz interessanter Neuzugänge sind wir weiterhin auf der Suche nach Objekten und Leihgaben für das künftige Museum für Schwangerschaftsverhütung und –abbruch: speziell Filme, Plakate, Broschüren, Bücher, Dokumente, Statistiken; Hilfsmittel und Gerätschaften zur Verhütung, zu Schwangerschaftstests und zur Abtreibung. Alles von einst & jetzt, von hier & anderswo.

Sie können uns aber auch durch die Übernahme von Sponsorships für Objekte unterstützen, die wir alleine nicht finanzieren können.