NL 2017/02

Vasalgel - Ein neuer Ansatz für Männer





Bisher hat ‚Frau‘ die Kontrolle über die Fruchtbarkeit des Paares. Sie kann wählen unter einer Vielzahl wirksamer und sicherer Verhütungsmethoden. Männer haben hingegen nichts wirklich Vertrauenswürdiges außer der Sterilisation. Kondome und Coitus interruptus sind nur mäßig empfehlenswert. Auch die Sterilisation hat einen Haken: Sie passt erst dann, wenn kein Kinderwunsch (mehr) besteht. Denn die Rückoperation ist ein Glücksspiel: Sie kann funktionieren, aber eine Garantie gibt es nicht.

Als wirksame, nebenwirkungsfreie und gleichzeitig nicht-endgültige Methode wird von den Medien immer wieder Vasalgel angekündigt: In einem 15 Minuten dauernden Eingriff wird das nicht-hormonelle Gel in den Samenleiter knapp außerhalb des Hodens injiziert, setzt sich dort fest und funktioniert wie ein Filter, der keine Spermien durchlässt. Das beim Eingriff entstehende Hautloch ist so klein, dass es nicht einmal genäht werden muss. Für zehn Jahre verbleibt der ‚Spermienfilter‘ dann an der entsprechenden Stelle. Sollte der Mann zwischenzeitlich doch Kinder haben wollen, lässt sich das Gel mit einer weiteren Injektion auflösen. Innerhalb weniger Tage ist er dann wieder fruchtbar.

Der kleine Eingriff mit dem fachlichen Namen RISUG (Reversible Inhibition of Sperm Under Guidance) wurde bereits 1970 in Indien von Sujoy Guha entwickelt, Professor für Medizintechnik am Indian Institute of Technology. 2010 hatte die amerikanische Parsemus Foundation—eine NGO, die „kostengünstige Alternativen für Verfahren entwickelt, welche von der Pharma-Industrie nicht weiter verfolgt werden“—das RISUG-Patent für 90.000 Euro gekauft. Das Vasalgel ist eine leicht abgeänderte Variante des ursprünglichen Patents.

Was in der Theorie verlockend klingt stößt in der Praxis jedoch auf zahlreiche Probleme. Das Wirkprinzip wurde bisher nur an Kaninchen erfolgreich getestet. Für eine Marktzulassung muss sich die Methode allerdings am Menschen bewähren und es müssen Studien vorgelegt werden, die den Ansprüchen der Medikamentenzulassungsbehörde in Europa und den USA genügen. Außerdem sind noch Fragen der Produktion, Stabilität etc. zu lösen. Angesichts dieser zahlreichen offenen Fragen verwundert die optimistische mediale Berichterstattung. In der Vergangenheit gab es immer wieder vielversprechende Ankündigungen über neue Methoden, von denen wir dann nie mehr etwas gehört haben.

Prinzipiell sind 4 Ansatzpunkte für die Verhütung beim Mann möglich: Unterdrückung der Samenbildung, Unterdrückung der Samenreifung, Hemmung der Spermienfunktion, Verhinderung des Spermientransports.

Tatsächlich ist die Entwicklung geeigneter Verhütungsmethoden für den Mann schwieriger als bei der Frau, weil bei jedem ‚Schuss‘ etwa hundert Millionen Spermien freigesetzt werden - bei der Frau muss hingegen jeweils nur die Befruchtung einer einzigen Eizelle pro Monat verhindert werden. Viele hoffnungsvoll begonnene Forschungsprojekte beim Mann mussten daher wegen mangelnder Sicherheit oder wegen untolerierbarer Nebenwirkungen abgebrochen werden. Aber schließlich hat die Entwicklung der Pille für die Frau auch mehrere Jahrzehnte in Anspruch genommen und wurde ebenfalls nicht von Pharmafirmen finanziert, sondern privat von zwei Frauen.

Dazu kommt, dass die Marktchancen einer Verhütung für den Mann unvorhersehbar sind. Einerseits würde die Mehrzahl der Männer die Verhütung gerne selbst in die Hand nehmen. Allerdings könnte die Vermarktung an den Frauen scheitern! Sie liefern sich dem Partner aus und können gegebenenfalls erst einige Monate später feststellen, ob sein Versprechen „Ich verhüte eh“ gestimmt hat.

Trotzdem gibt es zahlreiche sehr engagierte ForscherInnen und ÄrzteInnen, die weiter an einer reversiblen und wirksamen Methode für Männer forschen.
Mehr dazu unter: International Consortium for Male Contraception = ICMC  www.ic-mc.info.

 

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