NL 2007/13

Privates Museum bewahrt österreichisches Kulturgut

Der große österreichische Gynäkologe Hermann Knaus wird totgeschwiegen





"Die gesamte Menschheit hat dem österreichischen Gynäkologen Hermann Knaus die Erkenntnisse über die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage im Zyklus der Frau zu verdanken, auf deren Basis alle modernen Verhütungsmittel entwickelt worden sind - von Pille bis Babycomputer. Doch auch fast vierzig Jahre nach seinem Tod ist er seinem Vaterland nicht einmal eine Dokumentationsstelle wert", sagt DDr. Christian Fiala, Gründer des privaten Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch in Wien.

"Österreichische Forscher und Wissenschafter haben sehr wesentliche Beiträge für die Entwicklung von wirksamen Verhütungsmitteln und des sicheren Schwangerschaftsabbruchs geleistet und damit vielen Frauen buchstäblich das Leben gerettet. Wenn die vielen Besucher des Museums die vielen Objekte bestaunen, wundern sie sich, dass es zur Sammlung einer privaten Initiative bedurfte. Niemand außer uns hat sich die Mühe gemacht, beispielsweise die Familien von Prof. Knaus, Prof. Haberlandt, Prof. Fellner und anderer wichtiger Österreicher zu suchen und ihre wertvollen Bestände zu dokumentieren. Offenbar ist Sexualität bei uns immer noch anrüchig."

In diesem Zusammenhang berichtet Fiala auch von einem Vorstoß seines Museums, der Österreichischen Post eine Briefmarke zum Gedenken an Prof. Knaus vorzuschlagen: "Wir sind auf eine Weise abgeschmettert worden, als hätten wir ein unsittliches Angebot unterbreitet. Tatsächlich zählt aber Prof. Knaus zu den wichtigsten Wissenschaftern, die Österreich hervorgebracht hat. Im Ausland weiß man das, bei uns will man es offenbar nicht wahrhaben."

Sexualaufklärung verhindert Schwangerschaftsabbrüche

Das Knausarchiv des Wiener Museums ist nur eines der wertvollen Kulturgüter, die hier gesammelt wurden und die Besucher ehrfürchtig staunen lassen. Dazu gehören beispielsweise auch Arbeitsunterlagen des Innsbrucker Hormonforschers Ludwig Haberlandt (1885-1932), das Patent des Wiener Erfinders Adolf Schmid von 1931 für den genialen Rechenbehelf zur Bestimmung der fruchtbaren Tage oder die Geburtenkontrollkette der österreichischen Hilfsorganisation 'Aktion Regen'.

Dazu Fiala: "Es ist erfreulich, dass unsere Arbeit seit kurzem wenigstens dazu geführt hat, dass wir in die Liste der Institutionen aufgenommen wurden, an die Spenden steuerfrei sind. Es ist aber viel mehr notwendig: Wir sehen am regen Zulauf von Schulklassen, Studentengruppen etc., wie groß ihr Bedürfnis ist, ihre Sexualität zu verstehen und sich zu schützen. Wir können mit dem Museum auch dazu beitragen, die Zahl ungewollter Schwangerschaften und damit Schwangerschaftsabbrüche zu senken."


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museum für verhütung und schwangerschaftsabbruch
ausstellung - sammlung - archiv - bibliothek

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 14 - 18 h

mariahilfer gürtel 37
a-1150 wien
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