Theatertipp für Februar 2010

Frühlings Erwachen in Innsbruck





„Der vermummte Herr:.. So viel kann ich dir sagen, dass die Kleine vorzüglich geboren hätte. Sie war musterhaft gebaut. Sie ist lediglich den Abortivmitteln der Mutter Schmidtin erlegen....“ (aus: Frank Wedekind, Frühlings Erwachen, 1891)

Am 3., 7.,18., 19. und 20. Februar spielt das Tiroler Landestheater Innsbruck dieses Theaterstück von Wedekind: Jugendliche, empfindlich und durchgeknallt, zwischen Überforderung und Suizid - Wedekinds sensationeller Bühnenerstling von 1891 galt zur Zeit seiner Entstehung als reine Pornographie.
Mit einer nahezu berauschend-expressiven Sprache wollte der junge Wedekind die bürgerliche Gesellschaft, die von Moral und Disziplin faselte, von ihrer Verlogenheit befreien.

Fast 120 Jahre später ist die erotische Verwirrung von Melchior und Wendla, von Moritz und Hänschen Rilow kein Skandal mehr, dennoch erweist sich Frühlings Erwachen als eines der kräftigsten Stücke über die Geisterbahn der Pubertät. Mit der spezifisch Wedekindschen Mischung von Groteske und Tragik wird aus der Position der jungen Menschen erzählt, was passiert, wenn Kopf und Unterleib in Konfusion miteinander stehen, was die Folgen sind, wenn eine Gesellschaft ihre Kinder zwar aufklärt – aber nicht darüber, wie das Leben eigentlich gehen soll. Fast folgerichtig entscheidet sich das Schicksal Melchiors auf einem Friedhof, auf dem er einem ‚Vermummten Herrn’ begegnet. Bei der 1906 durch den berühmten Max Reinhardt erfolgten Uraufführung an den Kammerspielen in Berlin spielte Wedekind selbst diesen geheimnisvollen Herrn, eine Figur, die das Leben verkörpert. Ihm widmete er auch sein Stück.

Frau Bergmann: „Du musst nicht sterben – Kind! Du hast nicht die Wassersucht. Du hast ein K I N D, Mädchen! Du hast ein Kind! – Oh, warum hast du mir das getan!“

Zitate zur Einstimmung finden Sie in unserer Literatursammlung unter http://www.muvs.org/themen/literatur_zitate/thema.php?id=108

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