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Abtreibung im Roman und am Theater

„Ich traue mir zu, auch einem eingefleischten Gegner des Schwangerschaftsabbruchs Verständnis dafür abzuringen, dass es Situationen geben kann, in denen eine Frau abtreiben möchte, vorausgesetzt, sie leidet darunter; gibt sie zu, das künftige Kind einfach nicht zu mögen, wird er sie verachten und – so das Gesetz noch eine Strafe für Abtreibung vorsieht – für kriminell halten. Ich bin überzeugt, das eigentliche Tabu betrifft nicht so sehr den Schwangerschaftsabbruch als vielmehr die Mütterlichkeit der Frauen.“

 

„Ich finde ... den Slogan ... ‚Mein Bauch gehört mir’ nicht gut, weil er ... nur diese neun Monate suggeriert, gegen die man zwar einen Widerwillen empfinden kann und die sehr beschwerlich sein können, die aber nur einen vergleichsweise geringfügigen Teil der Lebenszeit ausmachen, die eine Frau – freudig oder widerwillig – opfern muss, wenn sie eine Kind bekommt.“

 

Zwei Zitate aus dem Buch ‚Meine ungeborenen Kinder’ der deutschen Schriftstellerin Charlotte Worgitzky (*1934). Darin verflocht sie Theater und Leben: Während der Proben für Friedrich Wolfs Theaterklassiker ‚Cyankali’ aus dem Jahr 1929 sollen die Schauspieler eigene Ansichten und eigene Erfahrungen zum Thema Schwangerschaftsabbruch offen legen. Der Schauspielerin Martha kommt dabei die Aufgabe zu, über ihre sechs Schwangerschaftsabbrüche zu reflektieren. Daraus entsteht eine ehrliche Auseinandersetzung mit Lebenssituationen, Irrtümern, Liebe, der Entwicklung und dem Verlust von Beziehungen, dem eigenen Bewusstsein sowie dem Anteil von Männern.

 

Der Roman erschien 1982 im Berliner Buchverlag ‚Der Morgen’ und 1995 als Taschenbuch bei dtv. Er zählt zu den Klassikern der feministischen Literatur. Friedrich Wolfs Schauspiel ‚Cyankali’ ist online verfügbar unter https://nemesis.marxists.org/wolf-cyankali-218-druckversion.htm