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Alfred Grotjahn: Die Hygiene der menschlichen Fortpflanzung (1926)

Die Erkenntnis, daß die Bestimmung der Kinderzahl in ihrem Ermessen liegt, verführt leicht die Frauen dazu, nur ein Kind oder höchstens ein Pärchen als Spielzeug haben zu wollen, während ihre soziale Funktion ihnen die Pflicht auferlegt, eine Schar von Kindern, die doch erst mit dreien beginnt, zu gebären und aufzuziehen.

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... kam zu dem Schluß, daß in Berlin im Jahre 1921 40% aller Schwangerschaften mit Fehlgeburten endeten (nämlich 19.500 Fehlgeburten auf 28.600 Geburten), während im Jahre 1910 das bei 12% der Fall war. Die Erfahrungen der Frauenärzte an den großen Kliniken und die Schätzungen der Krankenkassen bewegen sich in der gleichen Richtung. ... in Dortmund für das Jahr 1924, eine größere Zahle von Fehlgeburten als Geburten überhaupt annehmen zu müssen. Zur Bewertung dieser Angaben muß hinzugefügt werden, dass von diesen Fehlgeburten nach den verschiedenen lautenden Schätzungen nur 5% bei höchstens 30% als unbeabsichtigt eingetreten angenommen werden dürfen.

Bemerkenswert ist, daß die auffällige Vermehrung der Abtreibungen bereits vor dem Kriege eingesetzt hat und auch in den neutralen Ländern und solchen beobachtet wird, die wie die Vereinigten Staaten von Nordamerika unter Kriegs und Nachkriegsnöten nicht gelitten haben.

Über die Lebensgefährlichkeit der (illegalen) Abtreibung kann kein Zweifel obwalten. Nach Berechnungen kam im Jahre 1921 auf 50 Fehlgeburten ein Todesfall. Unter Zuhilfenahme der Budapester Fehlgeburtsstatistik konnte man berechnen, daß bei verheirateten Frauen auf 56 Fehlgeburten ein Todesfall, bei unverheirateten ein solcher bereits auf 36 Fehlgeburten kommt.