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Carl Axel Gemzell (1910-2007)

„Ist sie schwanger?“ – lange Zeit versuchte man diese Frage anhand von äußerlichen Veränderungen oder ungewöhnlichem Verhalten der betreffenden Frau zu beantworten. Wir kennen das noch heute: Appetit auf Essiggurken, ein größerer Busen oder unerklärliche Reizbarkeit legen schnell den Verdacht nahe ‚Vielleicht ist sie schwanger’. Mit der schrittweisen Entdeckung der Hormone als kompliziertes Steuerungssystem im Körper ab Beginn des 20. Jahrhunderts tauchte der Gedanke auf, den Eintritt einer Schwangerschaft an Hormonmustern ablesen zu können. Obwohl bald klar wurde, dass es um den Nachweis des Hormones ‚humanes Choriongonadotropin’ (abgekürzt: hCG) ging, das während der Schwangerschaft in der menschlichen Plazenta gebildet wird und für die Erhaltung der Schwangerschaft verantwortlich ist, hatten viele Forscher Gelegenheit, ihre Methoden bei der Suche nach einem sicheren Test auszuprobieren. Auch Misserfolge waren Erfolge, denn sie lieferten neues Wissen.

Ende der 1950er-Jahre entwickelten der schwedische Arzt Prof. Gemzell und sein Student Leif Wilde den ersten immunologischen Schwangerschaftstest, der die bis dahin gebräuchlichen Tests an Tieren verdrängte. Der Gemzell-Test war billiger und schneller, allerdings war seine Aussagefähigkeit nicht so sicher, speziell in der frühen Schwangerschaft. Wenn die Frau schwanger war, zeichnete sich im Reagenzglas ein scharf abgegrenzter Ring ab. Dieses Phänomen veranlasste den Leiter des Herstellers Organon zu folgendem Werbespruch: „I see a ring, girl, get your ring“. Ca. zehn Jahre später kam ein neuer Test auf den Markt, doch auch dieser wurde später von etwas Besserem abgelöst. Bis Ende der 1970er-Jahre konnten die Tests nur in spezialisierten Labors oder in der gut ausgestatteten Arztpraxis durchgeführt werden. Es war noch nicht möglich, einen Schwangerschaftstest bei sich zu Hause vorzunehmen; es schien manchen Ärzten sogar besser so, damit die Frau beim Feststellen einer (ungewollten) Schwangerschaft nicht ‚auf dumme Gedanken’ kommen könnte.

Gemzell studierte Medizin am Karolinska Krankenhaus in Stockholm und setzte seine Ausbildung in experimenteller Endokrinologie am Wenner-Gren-Forschungsinstitut in Stockholm sowie an der kalifornischen Universität Berkeley fort. Bis zu seiner Pensionierung 1975 als Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe arbeitete er in Uppsala und setzte anschließend seine Forschungstätigkeit in den USA fort. Dank seiner Erkenntnisse aus der Hormonforschung wurde Gemzell zu einem Pionier der künstlichen Befruchtung.

 

Zum Weiterlesen: https://en.wikipedia.org/wiki/Carl_Axel_Gemzell
http://www.randomhistory.com/1-50/018pregnancy.html

 

Wir danken Kristina Gemzell-Danielsson vom Karolinska Institut Stockholm und Jesse Olszynko-Gryn von der Universität Cambridge für ihre wertvollen Informationen.