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Charles Nelson Goodyear (1800-1860)

Ob er selbst Kondome verwendet hat, ist nicht bekannt. Fest steht, dass der US-Amerikaner Charles Nelson Goodyear (1800 – 1860) verheiratet war und Kinder hatte. Für sie war es schwer, einen brotlosen Erfinder zum Ehemann und Vater zu haben, der von seiner Idee besessen war, die Natursubstanz Kautschuk durch die Beifügung verschiedener Zusatzstoffe in ein stabiles Produkt umzuwandeln. Denn reiner Kautschuk wird bei Hitze weich und klebrig, bei Kälte spröde und splitternd wie Porzellan.

Der Erfolg ließ lange auf sich warten: Acht Jahre lang musste er experimentieren und forschen, dabei Armut, Krankheit und Gefängnisaufenthalte wegen fehlender Zahlungsfähigkeit aushalten. Er nahm es auch hin, dass er allgemein ausgelacht und verspottet wurde: Er trug die Ergebnisse seiner Versuche am eigenen Körper – Mantel, Hut und Schuhe aus Gummi.

Die Verwandlung von Naturkautschuk in Gummi ist einem Betriebsunfall in Goodyears Labor zuzuschreiben: Eine Schwefel-Kautschuk-Mischung stürzte um und fiel auf eine heiße Herdplatte. Das Ergebnis war Gummi, wie wir ihn heute kennen: Trocken und dauerhaft elastisch, auch bei extremen Temperaturen stabil. Diesen Vorgang nennen wir Vulkanisation.

Zum Verhängnis wurde Goodyear seine Leichtgläubigkeit: Er hatte das neue Verfahren nicht zum Patent angemeldet, sodass seine Konkurrenten Thomas Hancock und Horace Day die Urheberschaft für sich beanspruchen konnten. Das mündete in einen langen Rechtsstreit.

Die ersten Produkte, die Goodyear aus dem neuen Material herstellte, waren Gummihandschuhe und Zelte. Gummireifen für Autos waren damals noch nicht erfunden. Aber Gummi war für etwas viel wichtigeres einsetzbar: Für Kondome. Ab 1855 erzeugte Goodyear Kondome, die am Markt groß einschlugen, auch wenn sie nach heutigen Maßstäben schrecklich waren: Mit 2 Millimetern Wandstärke und einer Längsnaht. Heute beträgt die Wandstärke 0,06 Millimeter! Aber sie waren besser, angenehmer und billiger als die bis dahin verwendeten Kondome aus tierischen Häuten und aus Stoff. Doch auch die neuen Gummikondome waren kostbar: Daher wurden sie nach Gebrauch gewaschen, mit Vaseline eingefettet und bis zum nächsten Mal in einem hölzernen Kästchen aufbewahrt. Der irische Schriftsteller George Bernard Shaw sprach aus, was wohl alle dachten: Er bezeichnete das Kondom als die größte Erfindung des Jahrhunderts.

Seine jahrelangen Experimente mit Metallen und Chemikalien sowie die Armut hatten Goodyears Gesundheit ruiniert. Er starb im Alter von sechzig Jahren. Der noch heute bestehende Reifenhersteller wurde erst viele Jahre nach seinem Tod gegründet und zu seinen Ehren benannt.