1828_00_ma_staeuber
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Der Scheiden-Pulverbläser

Ein verzweifelter aber phantasievoller Versuch der Verhütung

Der 'Frauenschutz-Apparat’, auch ‚Scheiden-Pulverbläser‘ genannt, war ein weit verbreitetes Hilfsmittel zur Schwangerschaftsverhütung. Er bestand im Allgemeinen aus einem Ballonteil mit der Pulverfüllkammer und einem Kolbenteil mit einem Markierungsring. Der Kolbenteil wurde in die Scheide eingeführt, dann ein bis zwei Mal stark auf den Ballon gedrückt, „wodurch das nötige Quantum Pulver gegen den Muttermund geschleudert wird, alsdann wird der Apparat herausgenommen und beiseite gelegt.“ Das verwendete Pulver bestand aus „50 Teilen Borsäure, 2,5 Teilen Zitronensäure, 2,5 Teilen Gerbsäure, 10 Teilen Gummiarabicum, 35 Teilen Puder. Der Genuß wird bei Anwendung dieses Pulvers nicht beeinträchtigt und enthalten die Pulver auch keine schädlichen Bestandteile.“

„Die so eingestäubte Scheide gewährt 30 Minuten lang Schutz gegen Schwängerung, erfolgt die Ehepflichtleistung erst später, so ist der absoluten Sicherheit halber die Manipulation zu wiederholen.“

(zitiert aus: ‚Das neue Naturheilverfahren – Lehr- und Nachschlagebuch der naturgemäßen Heilweise und Gesundheitspflege’ von F.E. Bilz in der 73. (!) Auflage erschienen um 1900)


Natürlich können auch wir nicht ganz ernst bleiben bei der Lektüre derartiger Schilderungen. Aber es scheint uns wichtig zu zeigen, mit welcher Phantasie und Verzweiflung jeder nur denkbare Weg beschritten wurde, um die Familiengröße in einem ökonomisch vertretbaren Rahmen zu halten.