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Deutschland: Ärzte blockieren Freigabe für die ‚Pille danach’

In den meisten europäischen Staaten gibt es die ‚Pille danach’ ohne Umweg, also direkt in der Apotheke. Wer klug ist, hat immer eine auf Vorrat im Kühlschrank, denn Verhütungspannen können vorkommen. Sogar in Österreich, das hinsichtlich Verhütung wahrlich nicht zu den Vorreitern gehört, wurde die ‚Pille danach’ 2010 endlich rezeptfrei. In Deutschland sperren sich die Frauenärzte hingegen noch immer.

Nach vielen Jahren der Anwendung existieren weltweit gute Erfahrungen mit dem Wirkstoff Levonorgestrel (LNG) zur Verhütung ungewollter Schwangerschaften; sein Einsatz gilt als sicher. Daher liegt die ‚Pille danach’ in Schweden und Frankreich in jeder Erste-Hilfe-Box weiterführender Schulen, wird in England vor den Weihnachtsfeiertagen kostenlos verteilt und auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) allerwärmstens empfohlen.

Nur in Deutschland gelten die internationalen Erfahrungen offenbar nichts. Die Politik will liberalisieren: Gerade Frauen aus armen Familien soll schnell und unbürokratisch geholfen werden. Die Ärzte wollen hingegen Geld verdienen, schieben aber fachliche Bedenken vor: Frauen könnten sie ohne ärztliche Beratung nicht richtig anwenden. Vor allem junge Frauen könnten im Notfall nicht einschätzen, ob die Pille einzunehmen ist oder nicht. Das macht keinen Sinn, denn die ‚Pille danach’ sollte sogar dann eingenommen werden, wenn eine Verhütungspanne nur befürchtet wird. Im richtigen Zeitfenster kann Levonorgestrel den Anstieg des Hormons LH verhindern und den Eisprung verzögern oder blockieren, sodass keine Schwangerschaft entsteht.

Die deutschen Ärzte lehnen die Freigabe der ‚Pille danach’ mit dem Argument ab, Frauen könnten sie anstelle einer konsequenten Verhütung benützen. Das ist in der Realität ziemlich unwahrscheinlich, denn sie kostet jedes Mal rund 30 Euro; nur für bis zu 18-Jährige ist die Notfallkontrazeption gratis.