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Flämisches Volkslied: Die unschuldig gehängte Magd (o. J.)

1. Zu Frankfurt an der Brücken,
da zapften sie Wein und Bier,
da hab’n sie ein Mädchen betrogen,
betrogen um ihre Ehr.

2. Der Vater ging über die Gassen,
er ging nach der Hebamme hin.
„Könnt ihr meiner Tochter nicht helfen,
dass sie als ein Jungfrau besteht?“

3. „Euer kann ich sicher wohl helfen,
dass sie als Jungfrau besteht.
Wir wollen das Kind umbringen
und legen der Magd ins Bett.“

4. Die Magd ging waschen und scheuern,
kam abends spät nach Haus.
Sie wollt ihr Bett ausschütteln
Was fand sie da im Stroh?

5. Was hat sie im Stroh gefunden?
Ermordet ein kleines Kind.
Die Magd war sehr erschrocken
und rief die Tochter geschwind.

6. Die Tochter kam voll Listen
Und rief der Mutter zu:
„Die Magd hat ein Kind geboren
Und hat es umgebracht.“

7. „Hat sie ein Kind geboren
und hat es umgebracht,
So wollen wir sie lassen hängen
Zu Frankfurt vor dem Tor.“

8. Die Magd hat einen Freier,
Kam alle Samstag zu ihr:
„Wo ist mein Herzallerliebste?
Sie kommt entgegen nicht mir.“

9. Wir hab’n sie lassen hängen
Zu Frankfurt vor dem Tor.
Sie hat ein Kind geboren
Und hat es umgebracht.

10. Er gab dem Pferd die Sporen,
Und ritt zum Galgen heran:
„Wie hängst du hier so hoche,
Daß ich dich kaum sehen kann?“

11. „Ich hänge fürwahr nicht hoche.
Ich steh in Gottes Hand.
Die Engel aus dem Himmel,
Die bringen mir Speis und Trank“

12. Er gab dem Pferd die Sporen
Und ritt nach der Obrigkeit:
Ihr Herrn, was habt ihr gerichtet!
Der Unschuld tatet ihr Leid!“

13. „Haben wir unrecht gerichtet
Und Leides ihr getan,
So wollen wir sie abschneiden
Und hängen die andre dran!“

14. Der Vater ward enthauptet.
Die Tochter wurde geköpft.
Die Hebamme wurde gerädert
Zu Frankfurt vor der Stadt.


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