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Friedrich Hebbel: Judith (1840)

Weg mit der ungewollten Schwangerschaft: „... in den Kühlschrank oder im Klo runterspülen“

Judith schlägt Holofernes den Kopf ab – diese plakative biblische Szene wurde tausendfach von Malern und Schriftstellern aufgegriffen: Holofernes ist Feldherr des babylonischen Königs Nebukadnezar II. und belagert die Stadt, in der die junge hebräische Witwe Judith lebt. Um ihr Volk zu retten, schleicht sie sich nachts in Holofernes’ Zelt, macht ihn betrunken und schlägt ihm schließlich den Kopf ab.

1840 beschäftigt sich auch der deutsche Dichter Friedrich Hebbel mit diesem Plot, gerade 26 Jahre alt, bitter arm und mit einer schwangeren Freundin, die er nicht heiraten kann und nicht heiraten will.

Bei ihm ist Judith Jungfrau, da die Ehe nicht vollzogen worden war, und bereit, sogar ihre Jungfräulichkeit für die Rettung ihres Volkes hinzugeben. Letztlich wird ihr die Entscheidung aus der Hand genommen, denn Holofernes vergewaltigt sie. Auch bei Hebbel schlägt sie dem babylonischen Feldherrn den Kopf ab und wird zur Heldin, ihre Tat gilt als gottgefällig und daher ethisch gerechtfertigt.

Doch Judith könnte von Holofernes schwanger geworden sein. Was dann? „Ich will dem Holofernes keinen Sohn gebären! Bete zu Gott, dass mein Schoß unfruchtbar sei. Vielleicht ist er mir gnädig!“
Sie zwingt die Ältesten ihres Volkes und die Priester zu einem Versprechen: „So sollt ihr mich töten, wenn ich’s begehre!“

Hebbel hat einen anderen Schluss gewählt als andere Schriftsteller – nicht weniger dramatisch – mit dem er Judith aus ihrer überhöhten Rolle in die Alltagserfahrung zurück holt: Ein uneheliches Kind vom verhassten gegnerischen Feldherrn zu bekommen, würde Judiths Heldentat schnell zum Verblassen bringen. Ausgrenzung und sozialer Tod wären ihr stattdessen sicher.

Die Inszenierung von ‚Judith’ unter Sebastian Nübling (Stuttgarter Staatsoper) bei den Salzburger Festspielen 2009 zeigt eine Neufassung des Hebbel-Textes durch Anne Tismer: Lösungen im Falle von ungewollten Schwangerschaften (untermalt vom Orchester mit Vivaldi-Musik und jazzigen Einlagen): "Weg damit - in den Blumentopf, - in den Kühlschrank oder einfach im Klo runterspülen - leicht ist´s nicht aber....“