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George Michaels (1912-1992)

Eine historische Abstimmung

Buchstäblich das Zünglein an der Waage war der inzwischen fast vergessene George Michaels (1912-1992) im Jahr 1970 bei der Abstimmung des Staates New York über die Liberalisierung der Abtreibung. Mit verzweifeltem Mut ermöglichte er den Durchbruch – um den Preis seiner eigenen Karriere.

Die Gesetzesänderung hatte den Senat bereits passiert, drohte aber im Repräsentantenhaus zu scheitern: 74 Ja- zu 74 Nein-Stimmen. Ein kleiner Provinzanwalt von 59 Jahren, Abgeordneter für einen konservativ-katholischen Wahlbezirk New Yorks, war Georg Michaels zwar persönlich für die Entscheidungsfreiheit der Frau, hatte sich aber bisher an die demokratische Parteilinie gehalten.

In einer historischen Filmaufnahme kann man dramatisch miterleben, wie Michaels nach dem Mikrophon greift und in der fassungslosen Spannung des ganzen Saales mit zitternder Stimme sein „Nein“ in ein „Ja“ ändert. „Ich weiß, dass damit meine politische Karriere zu Ende ist. Doch ich kann nicht guten Gewissens hier sitzen und zulassen, dass es von meiner Stimme abhängt, ob das Gesetz in Kraft treten kann.“

Das Gesetz wurde angenommen und andere Bundesstaaten folgten. Doch George Michaels wurde persönlich geächtet, beruflich beschädigt und verlor sein politisches Mandat, das er fünf Perioden lang ausgeübt hatte.

Die bewegende Szene seiner persönlichen Courage aus dem Film abbruchs/?media_id=596" target="_self">‚From Danger to Dignity: The Fight for Safe Abortion’ ist im Museum zu sehen.