Anatom_00_ma_modell
  • Anatom_00_th_modell
  • Anatom_01_th_modell
  • Anatom_02_th_modell
  • Anatom_03_th_modell
  • Anatom_04_th_modell
  • Anatom_05_th_modell


‚Heber der zweiten Rippe’ und ‚Quergehender Dick- oder Grimmdarm’

Nackt bis auf ein Efeublatt ist der Jüngling im Buch ‚Die Aerztin im Hause’ von Dr. med. Jenny Springer aus dem Jahr 1911. ‚Shocking’ war dabei weniger die Darstellung seiner Männlichkeit als die seiner Sehnen, Muskeln und Knochen. Auch die göttinnengleiche junge Frau in demselben ‚Album der anatomisch-zerlegbaren Modelle’ ist nur wenig verhüllt – dafür zeigen die beiden auf den Folgeseiten ‚alles’: das Skelett von vorne, die Muskeln von vorne, die oberflächlichen Nerven und Blutgefäße, den Blutkreislauf, Brust- und Bauchdecke von innen (ausklappbar) sowie die Brust- und Baucheingeweide.

Körpermodelle waren zwischen ca. 1890 und 1925 wichtiger Bestandteil der populären Bücher ‚der Aufklärung und Belehrung für Gesunde und Kranke über die wichtigsten Fragen der Gesundheitslehre und Heilkunde’. Vor allem die Ärztinnen Anna Fischer-Dückelmann (1856 – 1917) und Hope Bridges Adams Lehmann (1855 – 1916) sowie der Naturheilkundler Friedrich Eduard Bilz (1842 – 1922) erreichten mit ihren Ratschlägen für die Behandlung und Vermeidung von Krankheiten sowie eine gesündere Lebensführung ein Millionenleserpublikum. Ihre Bücher wurden in mehr als zehn Sprachen übersetzt.

Die naturalistischen Darstellungen mit detaillierten medizinischen Beschriftungen kommen als getrennte Beilagen zu den Büchern. So sind sie einerseits als Anschauungsmaterial neben der Lektüre nutzbar, zum anderen kann die erschreckende Nacktheit vor den Augen von Kindern oder anderer ‚empfindlicher Personen’ weggeschlossen werden.

 

 

Quelle: Jenny Springer, Die Ärztin im Hause. Ein Buch der Aufklärung und Belehrung für Gesunde und Kranke über die wichtigsten Fragen der Gesundheitslehre und Heilkunde. Wien 1911