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K. G. Ritter von Leitner: Die schöne Brigitte (19. Jhd.)

Die schöne Brigitte, die Füsse bar,
Schweift irr durch die Nacht mit losem Haar.

Sie schweift durch die Nacht voll Jammer und lauscht,
Was nahe hier wispert, was fern dort rauscht.

Die blitzenden Sterne bedrohen sie: "Du!
Wir standen hier Wache und sahen dir zu."

Der Mond lacht hämisch: "Der See ist nass,
Drin seh' ich es liegen; du weißt schon, was."

Sie schleicht durch die Au, und das Blümchen weint:
"Ich habe mit ihm zu spielen gemeint."

Sie klimmt auf den Felsen, da mahnt das Moos:
"Ich hätt' es so weich gebettet im Schooss."

Sie läuft in den Wald; der flüstert: "Gescheit!
Nun brauchst du kein Bäumchen zur Weihnachtszeit!"

Sie springt davon, da krächzet ein Rab,
Ein schwarzer, ihr nach: "Kopf ab! Kopf ab!"

Sie rennt und rennt durch Busch und Strauch,
Bis rauschet der See: "Nun hab' ich dich auch."


Bildquelle: http://ngiyaw-ebooks.de/ngiyaw/worte_zum_tag/20071105.htm (2008)