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'Mädchen starb am Küchentisch'

‚Mädchen starb am Küchentisch’ – diese Schlagzeile aus dem ‚Kurier’ vom 8. März 1973 über eine missglückte Abtreibung ist repräsentativ für eine Fülle von Geschehnissen bis zur Liberalisierung des Schwangerschaftsabbruchs am 1. Jänner 1975. 

Bis dahin fanden Schwangerschaftsabbrüche in der eigenen Familie oder durch ‚EngelmacherInnen’ statt: Ohne medizinische Ausbildung und in der ständigen Angst vor einer Verhaftung. Die Küche war meist der einzige Platz mit einigermaßen gutem Licht und heißem Wasser. An Instrumenten nahm man, was zur Hand war, denn das Vorhandensein geeigneter Hilfsmittel wäre im Fall einer Hausdurchsuchung verräterisch gewesen. Unverdächtig waren hingegen Stricknadeln, Häkelnadeln, Fahrradspeichen etc.. Sie sind allerdings zu starr und entsprechen nicht den anatomischen Gegebenheiten. So kam es häufig zu massiven Verletzungen mit lebenslangen Folgen oder sogar zu Todesfällen. 

Die ‚EngelmacherInnen’ taten aus Mitleid oder aus geschäftlichem Interesse unter den gegebenen Umständen ihr Bestes, damit die ‚Kundschaft’ überlebte. Trotzdem wurden sie von Staat, Kirche und Medien häufig als kriminell, bösartig und moralisch minderwertig dargestellt.