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Mutterkorn

lat. Claviceps purpurea

Der Name Mutterkorn weist auf die Beziehung zur Gebärmutter hin, denn die Inhaltsstoffe regen die Wehen an. Dieser Pilz, der sich an Getreideähren festsetzt löste immer wieder große Epidemien aus.

VOLKSTÜMLICH:
Purpurroter Hahnenpilz, Ergot, Krähenkorn, Hahnensporn, Hungerkorn, Tollkorn oder Roter Keulenkopf, Wolfszahn, Krähenkralle, Brandkraut, Kornzapfen
Die Gattung trägt den Namen 'Claviceps' (Schlüssel) weist auf die Form des Mutterkorns hin, der Artname 'purpurea' auf seine Farbe und gehört zu den Schlauchpilzen.

AUSSEHEN:
Der Mutterkornpilz ist ein Parasit, der sich während der Gras- und Getreideblüte an der Ähre festsetzt, und entwickelt sich bis zur Reife zu einem 4 cm langen und etwa 3 mm breiten, blauschwarzen, kornähnlichen Gebilde.
Dieses fällt im Herbst zu Boden, im Frühjahr wächst es zu einem länglichen Gebilde heran, das erneut in der Lage ist, auf langgestielten roten Köpfchen Sporen auszubilden und neue Roggenähren zu infizieren. Das Mutterkorn ist wesentlich größer als ein Getreidekorn und daher recht auffällig.

VORKOMMEN:
Der Pilz gedeiht vorwiegend am Roggen, ist aber auch an einigen Grasarten zu finden.

VERBREITUNG:
früher vor allem in Europa.

ABBRUCH:
Die deutsche Bezeichnung weist auf die Beziehung zur Gebärmutter (Mutterkorn) hin, denn die Inhaltsstoffe regen die Wehen an. Im 17. Jh. wurde die Droge in Deutschland in die gynäkologische Praxis eingeführt, v.a. zur Blutstillung nach der Geburt.

GESCHICHTE:
Für medizinische Zwecke scheinen die Chinesen die Droge bereits im Altertum verwendet zu haben. Allerdings führt Mutterkorn nicht nur zu einem Zusammenziehen der Gebärmutter, sondern auch der Blutgefäße. Daraus können sich auch schwere Durchblutungsstörungen bis hin zum Tod entwickeln. Da Mutterkorn oft in einer ganzen Region vorkam, bzw. das Getreide von vielen Menschen gegessen wurde, traten die Erkrankungen oft als Epidemie auf.
Die ersten Berichte über eine wahrscheinliche Mutterkornepidemie stammen aus dem Jahr 857 n.Chr. aus Xanten. Die Natur des Mutterkorns als Sklerotium eines schmarotzenden Pilzes wurde erst 1853 durch Tulasne aufgeklärt. Bis dahin glaubte man, dass Mutterkorn eine missgebildete Frucht des Roggens wäre.
Doch noch 1927 brach eine weitere Epidemie über 11000 russische Bauern aus. Die letzte schwere Massenvergiftung geschah 1951 in Frankreich, der ca. 300 Menschen durch verseuchtes Mehl zum Opfer fielen. Die Betroffenen litten teilweise noch monatelang unter den immer wiederkehrenden Vergiftungserscheinungen.
Dr. Albert Hofmann entwickelte 1943 aus dem Mutterkorn das LSD.

INHALTSSTOFFE:
Die toxische Wirkung des Mutterkorns beruht auf seinem Alkaloidgehalt (zwischen 0,02 und 1 %). Der Grundbaustein ist das Ergolin, weiters Kohlenhydrate, Öle, Mineralstoffe, Aminosäuren, und Farbstoffe.

WIRKUNG:
wehenfördernd, blutstillend, halluzinogen.

ANWENDUNGEN:
niedriger Blutdruck, Migräne, Durchblutungsstörungen, Herzrhytmusstörungen

 

 

 

Anmerkung:

Mutterkorn hat in vergangenen Zeiten zu schrecklichen Massenvergiftungen geführt. Roggen war damals, vor allem unter der armen ländlichen Bevölkerung, das Hauptnahrungsmittel. Chroniken berichteten, dass ganze Dörfer und Städte befallen wurde und die Menschen unter dem 'Antoniusfeuer', dem 'Heiligen Feuer', dem 'Höllenfeuer' und unter 'Ergotismus' litten.

 

Vielfach wurden die Massenvergiftungen, die sich oft in bizarren Wahnvorstellungen  zeigten, den  Hexen in  die Schuhe geschoben, was  Hexenverfolgungen und Verbrennungen nach sich zog. Ganz bestimmte Mutterkorn-Alkaloide bewirken hauptsächlich neurologische Störungen, die so ernst sein können, dass sie Krämpfe und epileptische Anfälle hervorrufen. Andere Alkaloide führen zu einer Verengung der Blutgefässe und können zum Absterben von Fingern und Zehen führen. - 'Die Glieder wurden von dem heiligen Feuer aufgefressen und wie Holzkohle geschwärzt.'

 

Der heilige Antonius galt als Schutzpatron der am Ignis sacer (Heiliges Feuer) erkrankten Menschen. Er wurde nach der Überlieferung im Jahr 251 n. Chr. geboren und lebte lange einsam meditierend in der Wüste Sinai. Dabei soll er durch Reizentzug und langes Fasten schrecklichste Halluzinationen und angsterfüllte Visionen gehabt haben, eine Erfahrung die auch die mit Mutterkorn Vergifteten oft genug machten.