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Osterluzei

Finger weg!

Seit 1981 sind für Mensch und Tier alle Arzneimittel verboten, die Teile der Giftpflanze Osterluzei (lat.: Aristolochia clematitis) enthalten, denn die Aristolochiasäure gilt als nierenschädigend und krebserregend.

Mit dem Verbot wurde die Verwendung der Osterluzei (weitere Namen: Wolfskraut, Biberkraut, Gebärmutterwurzel) in der Medizin gestoppt. Beliebt war sie in vielen Regionen und zu allen Zeiten zur Behandlung von Schlangenbissen, Magen- und Zahnschmerzen, wurde aber auch in der Gynäkologie und Geburtshilfe eingesetzt. Darauf weist ihr lateinischer Name hin: áristos für sehr gut und lóchos für Niederkunft oder Geburt. Ebenfalls wurde sie für Abtreibungen benutzt, wie schon der griechische Arzt und Pharmakologe Dioskurides im 1. Jahrhundert nach Christi Geburt berichtet: „Es wirft die Wurzel die Feten heraus, wenn sie mit Pfeffer und Myrrhe als Trank genommen wird. Dasselbe bewirkt sie, wenn sie als Zäpfchen eingelegt wird.“

Die Aristolochiasäure kommt vor allem im Rhizom und den Samen vor, aber auch in den Blättern. Sogar die kurzfristige Anwendung kann gefährlich sein: Vergiftungserscheinungen sind u.a. Erbrechen, Magen-Darm-Entzündungen, Krämpfe, Pulsbeschleunigung, Blutdrucksenkung, Tod im Koma durch Atemlähmung.

Die ausdauernde Blütenpflanze mit den herzförmigen Blättern wächst an warmen Stellen, gerne in Weingärten, auch in Gebüschen, Hecken, Auwäldern, auf Zäunen und Feldrändern. Sie ist mit ihren gelben, tütenförmigen Blüten zwar nicht so auffallend wie andere Vertreterinnen der Gattung Pfeifenblumen, doch ist ihre Bestäubungsstrategie ähnlich: Mit ihrem speziellen, leicht fruchtigen Geruch lockt sie kleine Insekten an, die abrutschen und durch die Tütenöffnung hinunter in den Blütenkessel fallen. Durch abwärts weisende Behaarung der Röhre werden sie am Wiederaufstieg gehindert. Zwei Tage lang sind sie eingesperrt, werden aber von der Pflanze mit Nektar versorgt. Dann haben sie ihre Aufgabe erfüllt, die Pflanze zu bestäuben, und werden aus ihrem Gefängnis ‚entlassen’.

Obwohl die Osterluzei unter EsoterikerInnen als ‚Hexenpflanze’ beliebt ist, wird sie in manchen katholischen Gegenden als Teil des Kräuterstraußes zu Mariä Himmelfahrt (15. August) gesegnet.