Sexpol_00_ma
  • Sexpol_00_th


Marc Rackelmann: Der Konflikt des Reichsverbandes für proletarische Sexualpolitik mit der KPD, FU Berlin (1992)

Der Prozess der Industrialisierung und Urbanisierung seit Ende des 19. Jahrhunderts schlug sich in einer drastisch sinkenden Geburtenrate nieder. ... Da mangelnder Nachwuchs die wirtschaftliche und militärische Macht Deutschlands gefährdete, forderten konservative Kreise, die weitere Verbreitung von Verhütungsmitteln zu bekämpfen. Am 15. Juni 1900 folgte die kaiserliche Regierung diesem Ansinnen und ergänzte den ‚Unzuchtparagraphen’ 184 StGB um einen Absatz, der den Handel mit Verhütungsmitteln unter Strafe stellte und jedem mit Gefängnis bis zu einem Jahr drohte, der „Gegenstände, die zum unzüchtigen Gebrauch bestimmt sind, öffentlich ausstellt, ankündigt oder anpreist“. Der § 218 konnte an einer Abtreibung Beteiligte bis zu fünf Jahre ins Gefängnis bringen (bis 1927 gab es nicht einmal eine medizinische Indikation), so dass unzählige Frauen sich gezwungen sahen, die Hilfe von ‚Engelmacherinnen’ in Anspruch zu nehmen. Jährlich starben über 50. 000 Frauen an den Folgen des unsteril durchgeführten Eingriffs. Andere sahen für sich keine andere Lösung als den Selbstmord – im Jahre 1931 beispielsweise beendeten in Deutschland fast 19. 000 Frauen ihr Leben selbst. 1931 Einwohnerzahl Deutschland: ca. 64 Mio. (Statistisches Bundesamt Deutschland)

Bildquelle: www.lsr-projekt.de