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Shidzue Ishimoto Kato (1897-2001)

Die japanische Margaret Sanger

Ishimoto Shidzue (1897-2001) wurde in eine reiche Samuraifamilie geboren, aber westlich-orientiert erzogen. Ihr erster Mann, Baron Ishimoto Keikichi, verstand sich als humanistischer Christ mit großem Interesse an Sozialreformen. Bei seiner Arbeit in den Kohlegruben von Kyushu, wo sie unter primitiven Wohnbedingungen mit dem sozialen, hygienischen und gesundheitlichen Elend der Arbeiterinnen konfrontiert waren, wandelte sich ihr Mann zum glühenden Kommunisten sowjetischer Ausprägung und übersiedelte nach drei Jahren in die USA, um für die Arbeiterbewegung zu kämpfen.

Treffen mit Margaret Sanger zu Beginn der Zwanzigerjahre brachten für Shidzue den Wendepunkt. Fortan widmete sie sich der Bewegung für Familienplanung – gegen den Widerstand der japanischen nationalistischen Politik, die ein Bevölkerungswachstum forderte. Im Dezember 1937 wurde sie sogar für zwei Wochen eingesperrt und gezwungen, ihre Klinik in Tokio zu schließen, die sie dank amerikanischer Unterstützungsgelder hatte eröffnen können.

Als Frauenrechtlerin musste Shidzue gleichzeitig gegen das Tabu ankämpfen, das von Frauen aus gutem Haus ein zurückhaltendes und öffentlich unauffälliges Wesen forderte; von allen in ihren Kreisen unerwünschten Gesprächsthemen war Geburtenplanung sicher das am wenigsten schickliche.

Sobald Frauen 1946 das Wahlrecht bekamen, wurde Shidzue Kato (seit 1944 mit dem Sozialistischen Politiker Kanju Kato verheiratet) selbst Parlamentsabgeordnete. Sie kämpfte bis zu ihrem Tod mit 104 Jahren unermüdlich für das Wohlergehen von Frauen, speziell gegen das Verbot der Familienplanung.