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Skurrile Geschichten rund um den Schwangerschaftstest

Die Augen einer Frau verraten es

Nicht erst heute wollen Frauen wissen, ob sie schwanger sind oder nicht. In den antiken Hochkulturen leiteten ‚Gelehrte Männer’ die Frauen an, mit pflanzlichen Hilfsmitteln ihre Schwangerschaft zu ermitteln.

So schreibt beispielsweise ägyptische Arzt Kahun in einem 4000 Jahre alten Dokument: Weizen und Gerste werden mit einem Stück Stoff umwickelt, auf das die Frau jeden Tag urinieren soll. Sodann wird das Ganze mit Datteln und Sand vermengt. Die Frau ist schwanger, wenn beide Getreide keimen. Der Papyrus Kahun beschreibt weiter: „Wenn die Gerste wächst, ist es ein Knabe, wenn der Spelt (Anm.: der Weizen) wächst, ist es ein Mädchen...“

Nach: Wreszinski, Leipzig 1909

Die beschriebene Methode wurde 1963 in einem wissenschaftlichen Experiment nachgeprüft und führte zum Ergebnis, dass bei 70% der Schwangeren die Körner tatsächlich zu sprießen begannen – allerdings beide.

Nach einer anderen Überlieferung soll die Frau einen Brei aus Bier und Datteln zu sich nehmen. Wird ihr daraufhin furchtbar schlecht oder muss sie sich sogar übergeben, zählte das als nachgewiesene Schwangerschaft.

Eine von Hippokrates beschriebene Methode empfiehlt Frauen, sich über Nacht eine kleine Zwiebel in die Scheide zu stecken. Atmet sie am nächsten Morgen den typischen Geruch aus, kann sie nicht schwanger sein, denn dann ist ihr Körper durchgängig.

Bis ins 18. Jahrhundert war diese Praxis auch in Frankreich als so genannte ‚Knoblauchprobe’ verbreitet. Anstelle einer Zwiebel bediente man sich einer Knoblauchzehe. Man glaubte ein frischer Atem sei der Beweis, dass die Frau befruchtet ist. Die Anwesenheit eines Embryos würde nämlich die Ausbreitung bestimmter Gerüche aus dem Unterleib durch den Körper verhindern. Diese Vorstellung war umso überzeugender, da die Knoblauchzehe wegen ihrer Form vielfach als Symbol eines zusammengekauerten Fetus galt.

Nach: Jacques Gélis, Die Geburt – Volksglaube, Rituale und Praktiken von 1500 bis 1900

Jacques Gélis beschreibt in seinem Werk noch andere kuriose Beweistheorien zum Nachweis einer Schwangerschaft.
So glaubte man, dass der Gesang bestimmter Vögel die baldige Geburt eines Kindes ankündigt. Wenn der Hahn den Ruf des Kuckucks beantwortet, bedeutete dies, dass die Frau in jenem Haus schwanger ist. Ebenso verhielt es sich mit Nachvögeln, wie Eulen und Waldkäuzchen, die auf einem Baum am Haus oder auf dem Dach saßen und in die Nacht hinein riefen.

Im Périgord (Frankreich) des 19. Jahrhunderts versuchten sich die Frauen mit Hilfe von Rutengängern Gewissheit zu verschaffen. Ein Volkskundler berichtet über die Fähigkeiten eines um 1920 verstorbenen Bauern, der ein weithin berühmter Rutengänger war und behauptete, sich niemals zu täuschen, ob eine Frau schwanger war oder nicht, und dass er sogar schon zu Beginn der Schwangerschaft das Geschlecht des Kindes wusste.

Dem Medicus Jacques Guillemeau im 16. Jahrhundert brachten die Augen Aufschluss über möglichen Nachwuchs. „Im zweiten Monat“, so schreibt er, „bekommt die Schwangere tief liegende Augen mit kleinen Pupillen, schlaffe Lider und geschwollene Äderchen in den Augenwinkel.“ Außerdem verändere sich der Blick: „Wenn es auf keine andere Weise zu sehen ist, dass eine Frau schwanger ist, sagen es dir die Augen.“ In den Augen spiegele sich die Schwangerschaft.


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