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Vor 40 Jahren: Kindsmord am Theater

Die Theatersensation des Jahres 1973 hatte den Kindsmord zum Thema: Der österreichische Autor Peter Turrini hatte eine aktuelle Zeitungsmeldung aufgegriffen: „Im Hause ihrer wohlhabenden Eltern tötete eine 26-Jährige ihr zehn Tage altes Kind. Man nimmt an, dass die Tat unter Sinnesverwirrung vollzogen wurde.”

„Alle, besonders die Presse, haben davon nur mit Abscheu berichtet. Ich habe diese Frau im Gefängnis und später in der Klinik, in die sie eingewiesen wurde, besucht. Nicht der Kriminalfall hat mich interessiert, sondern die Gefühle und Empfindungen dieser jungen Frau,“ sagte Turrini.

Die Protagonistin hat keinen Namen, denn ‚sie’ steht für viele Frauen, für viele Schicksale. Fremdbestimmung ist das Thema: Sie will es allen Recht machen, ist fremd bestimmt vom Vater, vom Freund, befindet sich permanent in Abhängigkeit. Angst, Fehler zu machen. „Sag doch endlich einmal, was du willst,“ fordert ihr Freund.

‚Sie’ versucht zuerst, selbst einen Abbruch vorzunehmen. Als das nicht gelingt, geht sie zu einem Arzt – allerdings ist die Schwangerschaft zu diesem Zeitpunkt schon zu weit fortgeschritten. Schließlich ertränkt sie ihre kleine Tochter in den ersten Tagen.

Schicksale wie dieses sind zahlenmäßig äußerst selten, führen aber immer zu spektakulären Headlines: ‚Fünffache Kindsmörderin galt bis zur Tat als gute Mutter’, ‚Lebenslange Haft für 28-jährige wegen Kindesmord’, ‚Baby in Mülltonne entsorgt’, ‚Babyleiche in Altpapiertonne’, ‚22jährige soll Baby erstochen haben’.