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Wenn der Abbruch verboten ist

Schon vor 100 Jahren hat man gelernt, dass es möglich ist, schon vor der Geburt einen Schwangerschaftsabbruch zu machen.


Der illegale Abbruch
Engelmacherin, Kindsmord

Schon vor 100 Jahren hat man gelernt, dass es möglich ist, schon vor der Geburt einen Schwangerschaftsabbruch zu machen. Doch ein Abbruch war damals gefährlich und daher war es für die Frau selbst sicherer das Kind auszutragen.


Etwa vor 100 Jahren sind die ersten Berichte über die Engelmacherinnen zu finden, die Schwangerschaftsabbrüche durchführten und das auch in der Zeitung inserierten, wo mit sozialen Codes Schwangerschaftsabbrüche angeboten wurden. Ähnliche Inserate sind heute in Ländern zu finden, in denen der Schwangerschaftsabbruch nach wie vor verboten ist. In Polen inserieren Ärzte beispielsweise durch Codes wie: ‚Sichere Methoden’ oder ‚Alle Dienstleistungen’. Diese Codes sind nicht strafbar und jeder weiß, worum es sich handelt.

Die meisten illegalen Abbrüche waren unsicher und die Frauen hatten schwere Komplikationen oder sind verstorben. Aufgrund der Häufigkeit dieser Komplikationen wie Blutungen und Spontanaborte gab es Schätzungen, wie viele Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt wurden. Natürlich hat man immer gesagt, dass es ein Spontanabort war. Die Frau oder jemand anderer hat den Abort eingeleitet.

Wie wurde der illegale Abbruch durchgeführt? Wenn etwas verboten ist, kann man natürlich keine speziell geeigneten Instrumente entwickeln und diese dann verkaufen. Es können keine Schulungen durchgeführt werden, also kann kein Wissenschaftsaustausch für eine Methode gemacht werden. Sondern die Abbrüche werden meist heimlich und dementsprechend gefährlich gemacht.

Man verwendete möglichst unauffällige Instrumente, damit man bei einer Polizeikontrolle nicht beschuldigt werden konnte. Deshalb wurden Stricknadeln und Fahrradspeichen sehr häufig verwendet. So ist die Stricknadel zu ihrer traurigen Berühmtheit gekommen. Wie der Abbruch mit der Stricknadel funktionierte – oder besser gesagt nicht funktionierte - warum das Einführen eines spitzen Instrumentes gefährlich ist: die Gebärmutter ist meist nach vorne oder nach hinten geneigt, und wenn man dann mit einem spitzen Gegenstand hinauffährt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass entweder durch die Gebärmutter durchgestochen wird oder an der Gebärmutter vorbei. Das bringt im Bauchraum zwei große Risiken mit sich: Entweder es kommt zu einer Blutung oder es kommt zu einer Entzündung, was sehr schnell zu einer Blutvergiftung führen kann, die innerhalb von 2 bis 3 Tagen den Tod der Frau verursacht.

Es werden aber auch eine Menge anderer spitzer Gegenstände verwendet oder es wurde mit diversen Instrumenten Seife in die Gebärmutter eingeführt. Es wurden Pumpen dazu verwendet, um in die Gebärmütter der Frauen Seifenlauge hineinzupumpen. Meistens ist es gut verlaufen, gelegentlich sind die Frauen daran gestorben, da Seife im Körper eine absolute Gefahr darstellt.
Auch wurden Äste verwendet, die in die Gebärmutter eingeführt wurden und einen Abbruch auslösten.

Ein weiterer Aspekt des illegalen Abbruchs ist, dass er meistens erst sehr spät gemacht wird, etwa um den 4. oder 5. Monat. Frauen versuchen, die Handlung des Abbruches so lange wie möglich zu verzögern, weil er so problematisch und dramatisch ist. Meistens wird so lange hinausgezögert, bis der Bauch bereits sichtbar ist und die Schwangerschaft nicht mehr verborgen werden kann. Dann stechen die Frauen den Fruchtsack, die Fruchtblase, mit einem spitzen Gegenstand an, wonach das Fruchtwasser abrinnt. Sobald das Fruchtwasser abgelaufen ist, hat der Fötus keinerlei Überlebenschance. Nach ein bis zwei Tagen werden dadurch Wehen ausgelöst und der bereits tote Fötus wird ausgestoßen. Im besten Fall geht er problemlos ab und die Frau hat keine Komplikationen, aber aufgrund der schlechten Durchführung verursacht ein Schwangerschaftsabbruch unter diesen Bedingungen häufig Komplikationen - nicht wegen des Abbruchs an sich sondern ausschließlich wegen der durchgeführten Technik. Heute wird der Schwangerschaftsabbruch ganz anders durchgeführt; es gibt diese Komplikationen überhaupt nicht mehr; dank der legalen bzw. der modernen Durchführung sind sie verschwunden.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es in der Natur keine Substanz gibt, die nicht probeweise verwendet wurde. Der damalige Stand war, dass es kein einziges Abtreibungsmittel gab, das gleichzeitig unschädlich und sicher gewesen ist.

Engelmacherin, Kindsmord

Heute verbinden wir den Begriff ‚Engelmacherin’ mit der Abtreiberin, was einerseits auch richtig ist. Die Engelmacherin heißt heute aber nicht deshalb Engelmacherin, weil sie illegale Schwangerschaftsabbrüche gemacht hat, sondern weil sie aus Kindern Engel gemacht hat.
Kinder wurden damals sozusagen geengelt.

Die ‚Geschichten aus dem Wiener Wald’ von Ödön von Horvath zeigen es auch recht klar und explizit:
Den Kindern wurde zu wenig zu essen gegeben oder zum Anziehen, manche Kinder wurden auch an das offene Fenster gelegt. Daraufhin sind diese Kinder relativ rasch verstorben.
Das heißt, es war damals teilweise auch institutionalisiert, dass Kinder in Pflege gegeben wurden, wofür es eine finanzielle Entschädigung gab, das ‚Kostgeld’. Es wurde unausgesprochen erwartet, dass diese Kinder bald sterben. Das war die Aufgabe der Engelmacherin.



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Ödon von Horvath thematisiert in seinem Drama die Folgen einer ungewollten Schwangerschaft

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