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Gynäkologische Untersuchungsliege

Rund sechzig Jahre alt und wegen seiner Funktionalität und Stabilität geradezu ein ‚Klassiker’ in Fachkreisen ist der 70 kg schwere gynäkologische Untersuchungsstuhl nach Sims. Entwickelt wurde das Modell vom 'Vater der amerikanischen Gynäkologie' James Marion Sims (1813-1883), um die Genitalien der Frau inspizieren zu können.

Denn noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts kamen die Frauen vollständig bekleidet zur Untersuchung. Der Gynäkologe, damals zu 99,8% Männer, kniete vor der stehenden Frau.

Unser Stück ist ein frühes Nachkriegsmodell, bestehend aus halbzölligen Wasserrohren, Fahrradrohren und Wehrmachtsholzfüssen für Bettenschirme. Verkauft wurde er von der Hamburger Firma Krauth.

Der Grund für die Aufnahme in unsere Sammlung ist der Umstand, dass Lübeck nach dem zweiten Weltkrieg eine der Erstaufnahmestädte des Flüchtlingsstroms aus den ehemaligen deutschen Gebieten im Osten war. Viele der Frauen waren vergewaltigt worden oder konnten aus anderen Gründen die Schwangerschaft nicht fortsetzen. Daher wurden sehr viele Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen - u.a. auf diesem Stuhl.



Foto: Der Direktor des Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch, DDr. Christian Fiala, mit der Spende.

Inventarnummer: 2125
Material: Metall, Leder
Objekt in cm: 141 x 70 x 106
Datierung: ca. 1950
Erhaltungszustand: Der Stuhl mit verstellbarer Rückenlehne und herausziehbarer Schublade unter dem Sitz ist in gutem Zustand.
Spender: Brigitte Gottschewski