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Storch mit Baby

Die Geschichte vom Klapperstorch, der die Babies bringt und dabei der Mutter ins Bein beißt, sodass sie ein paar Tage das Bett hüten muss, wurde im 19. Jahrhundert populär, als die prüde bürgerliche Gesellschaft in Europa das Thema Sexualität verdrängt hat. (Michael Simon, Volkskundler, Universität Mainz)

Schon davor galt Wasser in vielen Kulturen als Symbol für das Unbewusste und als Aufenthaltsort ungeborener Seelen. Und weil der Storch sich bevorzugt in Tümpeln tummelt, ist er geradezu prädestiniert für die Rolle des Fruchtbarkeitsvogels. Außerdem liebten (und lieben) ihn die Menschen in Europa, weil seine alljährliche Rückkehr signalisiert: Der kalte Winter ist vorbei.

Das bekannteste Märchen über die Rolle der Störche als Babylieferanten stammt vom dänischen Dichter Hans Christian Andersen (1805-1875): ‚Die Störche’ (1862). Sie wissen, „wo der Teich ist, in dem alle die kleinen Menschenkinder liegen, bis der Storch kommt und sie den Eltern bringt. Die niedlichsten kleinen Kinder schlafen und träumen so lieblich, wie sie später nie mehr träumen. Alle Eltern wollen gern solch ein kleines Kind haben, und alle Kinder wollen eine Schwester oder einen Bruder haben.“

Ein anderes erzählte der deutsche Chirurg und Hochschullehrer Richard von Volkmann (1830-1889), der sich als Schriftsteller Richard Leander nannte: ‚Das Klapperstorch-Märchen’ (1871). „Drei Tage, ehe der Storch ein kleines Kind bringt, klopft er mit seinem roten Schnabel an das Fenster der Leute, welche es bekommen sollen, und ruft:

"Schafft eine Wiege / Ein' Schleier für Fliegen / Ein buntes Röcklein / Ein weißes Jäcklein / Mützchen und Windel / Bring ein klein Kindel!"

Das Thema vom Storch, der die Babies bringt, kehrt in vielen Darstellungen und vielen Varianten wieder. Unsere beiden Tellerchen stammen von einem Flohmarkt in Warschau (Polen). Polen ist mit fast 100 000 Störchen eines der Storch-reichsten Länder: „Jeder vierte Storch der Welt ist ein Pole!“

 

Quellen:
http://gutenberg.spiegel.de/buch/sammtliche-marchen-einzige-vollstandige-vom-verfasser-besorgte-ausgabe-6246/6
http://www.sagen.at/texte/maerchen/maerchen_deutschland/volkmann/klapperstorch.html

 

Teller 1: Das himmelblaue Mittelfeld zeigt einen Storch, der im Schnabel eine Windel hält, in der ein Baby steckt. Der Storch steht auf einem Rauchfang. Eine Kirchturmspitze sowie ein Dachfirst sind zu sehen. Das Bildfeld ist mit einer goldenen Linie vom äußeren weißen Rahmen abgegrenzt. An der rechten Tellerkante besteht eine Ausnehmung, die zum Einsetzen in eine Halterung dienen könnte.

Teller 2: Das in Gelb- und Beigetönen gehaltene Mittelfeld zeigt einen gehenden Storch, auf dessen Rücken ein Baby sitzt. Der Storch nähert sich einem Tor, offenbar um das Baby dort ‚abzuliefern’. Die städtische Szenerie wird von einer Laterne beleuchtet. An einer Hausmauer ist eine religiöse Figur zu erkennen (Muttergottes?). Das Bildfeld ist mit einer goldenen Linie vom äußeren weißen Rahmen abgegrenzt. An der rechten Tellerkante besteht eine Ausnehmung, die zum Einsetzen in eine Halterung dienen könnte.

 

Inventarnummer: 3001
Material: Porzellan
Objekt in cm: 10,2 Durchmesser
Erhaltungszustand: gut